Mazloum setzt auf Premium-Erlebnis für Hardcore-Fans
Thomas Mazloum hat als Chief der Disney Experiences eine klare Marschrichtung vorgegeben: Das Unternehmen wird künftig stärker zwischen seinen Besuchergruppen differenzieren. Die sogenannten Superfans – jene Parkgänger, die regelmäßig anreisen und mehrfach pro Jahr Disney-Parks besuchen – rücken dabei ins Zentrum der Investitionsstrategie. Diese Gruppe generiert überproportional hohe Umsätze durch Mehrfachbesuche, Premium-Angebote und ständige Merchandise-Käufe. Mazloum erkennt diese wirtschaftliche Realität an und konzentriert Ressourcen gezielt auf Erlebnisse, die diese loyalen Gäste fesseln. Das bedeutet nicht zwangsläufig mehr Attraktionen für alle, sondern maßgeschneiderte Experiences, die nur für registrierte Premium-Mitglieder oder häufige Besucher zugänglich sind.

Die neue Strategie zielt darauf ab, die durchschnittliche Besuchsdauer und das Ausgabeverhalten der Superfans weiter zu maximieren. Disney hat bereits mit Programmen wie Disney Infinity und verschiedenen Membership-Tiers experimentiert. Unter Mazloums Leitung wird diese Segmentierung nun zur Kernstrategie. Exclusive Behind-the-Scenes-Tours, Priority-Access zu neuen Attraktionen und personalisierte Content-Empfehlungen könnten Teil dieses Premium-Angebots werden. Die Investitionen fließen dorthin, wo sie die höchste Rendite versprechen – und das ist eindeutig bei der Kernfanbase.
Der Balanceakt: Gelegenheitsbesucher nicht verlieren
Doch Mazloum ist erfahren genug, um die Risiken zu kennen. Wenn Disney nur noch auf Superfans setzt, gefährdet das die Breite seiner Besucherbasis. Gelegenheitsbesucher – Familien, die vielleicht alle zwei Jahre kommt – müssen ebenfalls noch Grund haben, die Parks zu besuchen. Die Kunst liegt darin, diese Gruppe mit preisgünstigen Einstiegsangeboten und universellen Attraktionen zu halten, während die Premium-Schicht von exklusiven Erlebnis profitiert. Mazloum muss also eine duale Strategie fahren: Tiefenstrategie für Superfans, Breitenstrategie für Gelegenheitsbesucher.

Das bedeutet vermutlich auch, dass die klassischen kostenlosen oder günstigen Parkzonen erhalten bleiben. Attraktionen wie Space Mountain oder Cinderella's Castle dienen als Zugpferde für die breite Masse, während neuere, technologisch hochwertige Erlebnisse mit digitalem Ticketing und personalisierter Wartezeit-Verwaltung stärker monetarisiert werden. Diese Zwei-Klassen-Strategie ist nicht unbedingt neu – sie wird unter Mazloum aber systematischer und transparenter umgesetzt.
Investitionen fließen gezielt in Tech und Content
Die konkreten Investitionen unter Mazloum werden sich vermutlich auf drei Bereiche konzentrieren: Technologie für die Park-Experience, neue immersive Attraktionen für Superfans und digitale Personalisierung. Disney hat in den letzten Jahren massive Summen in vernetzte Ticketing-Systeme, Mobile Apps und datengesteuerte Gästeführung gepumpt. Diese Infrastruktur ermöglicht es, Superfans zu identifizieren und zu belohnen. Gleichzeitig entstehen neue Attraktionen, die vor allem für diese Gruppe interessant sind – exklusive Star Wars oder Marvel-Erlebnisse, Nostalgie-fokussierte Angebote und technologisch fortgeschrittene Dark Rides.
Mazloum deutet auch an, dass die Investitionen nicht gleichmäßig auf alle Parks verteilt werden. Disneyland Kalifornien und das Magic Kingdom in Florida, wo sich die größte Dichte an Superfans konzentriert, dürften bevorzugt werden. Internationale Parks könnten dagegen mit langsamerer Expansion rechnen, außer sie zeigen ähnliche Superfan-Konzentrationen wie Tokyo DisneySea.
Kritische Fragen zur langfristigen Strategie
Diese Fokussierung wirft aber Fragen auf: Könnte Disney den Massenmarkt verlieren? Wenn Gelegenheitsbesucher spüren, dass die Parks primär für regelmäßige Premium-Kunden optimiert sind, könnten sie zu Konkurrenten wie Universal abwandern. Zudem gibt es Grenzen beim Wachstum durch Superfans – irgendwann ist die Sättigung erreicht. Disney muss also kontinuierlich neue Premium-Inhalte schaffen, um diese Gruppe zu halten. Das erfordert immense kreative und finanzielle Ressourcen. Mazloums Ansatz ist wirtschaftlich rational, aber nicht ohne Risiken. Der Erfolg wird davon abhängen, ob es Disney gelingt, die Balance zu halten – Superfans zu verwöhnen, ohne Normalbesucher abzuschrecken.


