04. September, 2026

Unternehmen

„Das letzte Video“: Wie JP Kraemer in fünf Minuten ein Imperium beendete

Drei Videos in sechs Tagen: Teilgeständnis, Entschuldigung, Abschied. Die Rekonstruktion, wie JP Kraemer per YouTube das Ende seiner 18 Firmen verkündete.

InvestmentWeek, 4. September 2026. Fünf Minuten, ein Stuhl, ein blaues Firmen-Shirt. Mehr Kulisse brauchte Jean Pierre Kraemer nicht, um am Dienstag ein Unternehmen mit rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz zu beenden. „Hallo, ich denke, das wird das letzte Video sein, was ich aufnehmen werde“, beginnt der 45-Jährige — und kündigt dann an, alle seine Unternehmen zu schließen. Der Titel des Videos: „Danke!“. Nach zwei Stunden zählte es bereits über 200.000 Aufrufe.

Drei Videos in sechs Tagen

Die Ankündigung war der Schlusspunkt einer Eskalation in drei Akten. Am 28. August hatte sich Kraemer erstmals zu den Gewaltvorwürfen geäußert, nachdem Aufnahmen öffentlich geworden waren, die Übergriffe auf seine Ehefrau Julia Meck zeigen sollen. In zwei Videos räumte er die Vorwürfe weitgehend ein: „In der Wut habe ich ihr dann die Kette vom Hals gerissen, und auch der Schlag mit der flachen Hand war falsch.“ Und: „Man schlägt keine Frauen, das ist auch richtig, das war nicht in Ordnung von mir.“

Zugleich erhob er Vorwürfe gegen Meck — auch sie habe ihn geschlagen. Die 25-Jährige sagte der „Bild“, sie habe ihm in einer Defensivsituation auf die Brust gehauen, und berichtete ihrerseits von wiederholten Misshandlungen. Für beide gilt die Unschuldsvermutung. In den Videos machte Kraemer auch die Trennung öffentlich: „Julia und ich haben uns getrennt und lassen uns scheiden.“

Das Abschiedsvideo

Im dritten Video dann der Paukenschlag. Kraemer entschuldigt sich direkt bei seiner Noch-Ehefrau: „Ich möchte mich vorab bei allen Menschen entschuldigen, vor allem bei dir, Julia, was ich dir angetan habe. Und wie ich dich verletzt habe. Körperlich sowie menschlich.“ Er sei „kein böser Mensch“, habe sich aber „einfach nicht immer unter Kontrolle“.

Dann die geschäftliche Konsequenz: „Ich werde alle Unternehmen schließen.“ Wie er das mache, sei ihm „selbst noch ein Rätsel“. Den Tränen nahe bedankt er sich bei den Mitarbeitern, die den Weg mit ihm gegangen seien. Was mit Gebäuden, Bestellungen und Beschäftigten passiert, müsse er nun regeln. Der letzte Satz: „So endet das.“

Was das Video nicht beantwortet

Offen bleibt praktisch alles Operative: Rund 18 Gesellschaften, etwa 80 Mitarbeiter, laufende Mietverträge, Kundenbestellungen, ein Museum, eine Fahrzeugsammlung von rund 100 Autos. Den Überblick über die angekündigte Schließung und die rechtlichen Wege einer Abwicklung haben wir separat aufbereitet.

Juristisch ist der Fall ohnehin nicht beendet: Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat die Ermittlungen wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung wieder aufgenommen.