InvestmentWeek, 4. September 2026. „Ich werde alle Unternehmen schließen“ — der Satz aus Jean Pierre Kraemers Abschiedsvideo klingt nach einem Beschluss. Rechtlich ist er erst einmal nur eine Absichtserklärung. Zwischen der Ankündigung und dem tatsächlichen Ende von rund 18 Gesellschaften liegt ein Verfahren, das Monate bis Jahre dauert. Ein Überblick über die Wege, die Kraemer jetzt offenstehen.
Weg eins: die geordnete Liquidation
Der Standardweg für solvente Gesellschaften: Die Gesellschafter fassen einen Auflösungsbeschluss, die GmbH tritt in die Liquidationsphase, ein Liquidator — das kann der bisherige Geschäftsführer sein — verwertet das Vermögen, bedient alle Gläubiger und verteilt den Rest. Wichtigste Hürde ist das sogenannte Sperrjahr: Erst ein Jahr nach dem öffentlichen Gläubigeraufruf darf verbliebenes Vermögen an die Gesellschafter ausgekehrt werden. Wer heute beschließt, ist also frühestens Ende 2027 fertig — pro Gesellschaft.
Bei rund 18 Einheiten multipliziert sich der Aufwand: 18 Beschlüsse, 18 Liquidationseröffnungen, 18 Schlussbilanzen. Verschachtelte Beteiligungen müssen von unten nach oben abgewickelt werden.
Weg zwei: der Verkauf von Vermögenswerten statt Gesellschaften
Realistischer als ein Verkauf der Firmen — für die Marke wird sich kein Erwerber finden — ist die Einzelverwertung: Immobilien, Werkstattausrüstung, Warenlager, die Fahrzeugsammlung. Solche Asset Deals lassen sich parallel zur Liquidation fahren und bestimmen am Ende, wie viel Substanz übrig bleibt.
Weg drei: die Insolvenz — freiwillig ist sie nicht
Sollte eine der Gesellschaften zahlungsunfähig oder überschuldet sein oder es während der Abwicklung werden, endet die Wahlfreiheit: Dann besteht Insolvenzantragspflicht, bei GmbHs binnen drei Wochen ab Zahlungsunfähigkeit. Ein Geschäftsführer, der zu spät stellt, haftet persönlich und riskiert Strafbarkeit wegen Insolvenzverschleppung.
Das ist keine theoretische Fußnote. Eine Gruppe, deren Umsätze an der Reputation einer Person hingen, verliert diese Umsätze gerade in Echtzeit: Sponsoren kündigen, Gönrgy ist bereits raus, Standorte mussten nach Drohungen zeitweise schließen. Gleichzeitig laufen Mieten, Löhne und Lieferantenrechnungen weiter. Ob die Liquidität diese Schere übersteht, ist die entscheidende Frage der kommenden Wochen — für Mitarbeiter und Kunden hängt daran alles.
Was zu beobachten ist
Drei Signale werden verraten, welcher Weg es wird: Auflösungsbeschlüsse im Handelsregister (geordnete Liquidation), größere Asset-Verkäufe (Substanzverwertung) — oder Insolvenzbekanntmachungen einzelner Gesellschaften. InvestmentWeek beobachtet die Registerlage fortlaufend.