19. Oktober, 2026

Technologie

Selenskyj: Starlink-Drosselung in der Ukraine wirkt gewollt, SpaceX gerät in die Schusslinie

Der ukrainische Präsident wirft den USA vor, die Geschwindigkeit des Militärnetzes Starshield absichtlich zu begrenzen. Trump und Musk weisen die Verantwortung von sich. Für die börsennotierte SpaceX wächst das politische Risiko.

Selenskyj: Starlink-Drosselung in der Ukraine wirkt gewollt, SpaceX gerät in die Schusslinie
Für die börsennotierte SpaceX wächst das politische Risiko, der Kongress verlangt Antworten zum Diesel-Deal.

Vorwurf aus Kiew

Die Einschränkungen bei der militärischen Nutzung von SpaceX’ Starlink in der Ukraine sind nach Darstellung von Präsident Wolodymyr Selenskyj kein technisches Problem, sondern offenbar gewollt. Das sagte er am Samstag in Sprachnachrichten an Reporter über WhatsApp. Auf dem gesamten ukrainischen Gebiet bestünden Geschwindigkeitsbegrenzungen für das Netz Starshield, die Verbindungen deutlich verlangsamten.

Kiew hat das eigenen Angaben zufolge geprüft. Fahrzeuge mit Starshield-Anschluss wurden nach Europa gebracht, dort funktionierten sie normal. Daraus schließen die ukrainischen Behörden, dass die Beschränkungen „auf dem Territorium der Ukraine“ gelten, es sich also um eine „geplante Operation“ handle. Unabhängig bestätigt ist das nicht.

Warum das militärisch wiegt

Starshield ist die militärische Variante von Starlink. Die Ukraine nutzt sie, um die Luftabwehr bei der Abfangjagd auf strahlgetriebene Drohnen zu unterstützen, die Russland täglich auf Kiew und andere Städte schickt, und um Artillerieschläge zu lenken. Laut Selenskyj bricht die Verbindung bei Geschwindigkeiten über 161 Kilometern pro Stunde ab, russische Drohnen fliegen etwa 400 Kilometer pro Stunde. „Wir verlieren Starlink und wir verlieren den Abfangjäger“, sagte er. Auch die Versorgung der Front mit Nachschub leide.

Die Ukraine schießt nach seinen Angaben mit F-16-Kampfjets rund 60 Prozent der strahlgetriebenen Drohnen ab, frische Munition werde nach Kiew geliefert.

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Wer verantwortlich sein soll

Selenskyj wirft Trump und Musk vor, die Beschränkungen angeordnet zu haben, was zu zivilen Opfern geführt habe. Trump sagte am Freitag, er habe keine Begrenzung des Zugangs angeordnet und glaube auch nicht, dass Musk dies getan habe. Musk erklärte am Mittwoch, Begrenzungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung entscheide das US-Militär und letztlich der Präsident. Damit steht Aussage gegen Aussage.

Die Spannungen zwischen Washington und Kiew haben zugenommen, seit Trump vergangene Woche ein Diesel-Abkommen mit Putin verkündete, das Ukraine und Europa überraschte. Nachdem Selenskyj die Entscheidung als schwach kritisiert hatte, meldeten ukrainische Verteidigungsbeamte in dieser Woche, ihr Zugang zu Starshield sei langsamer geworden.

Sanktionen ausgesetzt, Angriff auf Energienetz

Den Hintergrund bildet Trumps Entscheidung, Zölle auf russische Energieexporte auszusetzen. Sie waren Teil eines Gesetzes des verstorbenen Senators Lindsey Graham. Das Gesetz sah binnen 30 Tagen Zölle von 100 Prozent auf alle Waren der fünf größten Käufer russischen Rohöls vor, Sanktionen gegen zahlreiche russische Unternehmen und 500 Prozent Zoll auf russische Energieprodukte. Die Frist wäre am 18. Oktober abgelaufen. Das Dekret setzt die Umsetzung aus, Trump kann die Zölle später dennoch verhängen.

Die Maßnahmen widersprechen dem Plan, mit Putin russischen Diesel auf den Weltmarkt zu bringen. Trump will damit die US-Dieselpreise senken, die vor der Wahl am 3. November auf Rekordhöhe liegen.

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Russland griff in der Nacht erneut massiv an, laut Selenskyj 15 wichtige Anlagen der Stromerzeugung und -übertragung. Der Generalstab nannte ballistische Raketen und Marschflugkörper sowie 332 Drohnen vom Typ Shahed, darunter 31 strahlgetriebene. Abgefangen wurden vier Kalibr-Marschflugkörper und 289 Drohnen. Putin kündigte weitere Großangriffe auf Rüstungsbetriebe und Logistikzentren an. Selenskyj hat neue Angriffe auf russische Raffinerien angeordnet und beendet damit eine Pause, die er auf Trumps Aufruf zu einem Energie-Waffenstillstand hin eingelegt hatte.

Reaktionen im Kongress

Der Schritt dürfte im Kongress auf Widerstand stoßen, auch bei Republikanern, die schon über den Diesel-Deal verärgert waren. Eine überparteiliche Gruppe von Senatoren hatte diese Woche in einem Brief gefordert, Trump solle den Deal zurücknehmen und das Graham-Gesetz durchsetzen. Senatorin Elizabeth Warren sagte, Trump missachte mit der Aussetzung die Vorgabe des Kongresses, den Druck auf den Kreml zu erhöhen.

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Einordnung für Anleger

Für Anleger ist vor allem SpaceX relevant, das seit Juni börsennotiert ist. Die Aktie notierte laut Seitenkopf bei 146,03 US-Dollar, ein Plus von 1,7 Prozent. Der Börsengang lag im Juni bei 135 Dollar, das Rekordhoch im Juni bei 225,64 Dollar, das heißt, der Kurs liegt rund 35 Prozent darunter. Die Zahlen stammen aus früheren Berichten und sind nicht geprüft.

Der Konflikt zeigt ein Risiko, das in Bewertungen selten eingepreist ist: SpaceX ist ein zentraler Anbieter für militärische Kommunikation und damit von politischen Entscheidungen abhängig. Ob die Drosselung politisch gewollt ist, technisch bedingt oder Folge von US-Vorgaben, ist offen. Sicher ist nur, dass Aussagen von Musk, Trump und Selenskyj nicht übereinstimmen. Eine Bestätigung der Vorwürfe könnte den Ruf des Konzerns bei Verbündeten treffen und Regierungsaufträge in Europa beeinflussen. Beobachten Sie die Reaktion des Kongresses, mögliche Aussagen der US-Regierung zu den Beschränkungen und die Frage, ob Europa eigene Alternativen vorantreibt.