12. Juni, 2026

Technologie

Durchbruch in der AEM-Elektrolyse: Evonik zielt auf die Kostenführerschaft bei grünem Wasserstoff

Mit dem Start der kommerziellen Fertigung einer neuen Spezialmembran für die AEM-Elektrolyse adressiert das Unternehmen den kritischsten Faktor der Energiewende: die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber fossilem Wasserstoff.

Durchbruch in der AEM-Elektrolyse: Evonik zielt auf die Kostenführerschaft bei grünem Wasserstoff
Evonik hat eine neue Membran für die Wasserstoffproduktion entwickelt. Die AEM-Technologie soll grüne Wasserstoffkosten deutlich senken.

Das technologische Rückgrat der grünen Transformation

Grüner Wasserstoff gilt als das „Schweizer Taschenmesser“ der klimaneutralen Industrie, etwa für die Stahlherstellung oder als Langzeitspeicher für erneuerbare Energien. Doch bisher ist das Produkt aufgrund der hohen Produktionskosten oft doppelt bis viermal so teuer wie sein Pendant aus Erdgas (sogenannter „grauer Wasserstoff“).

Evonik setzt hier mit seiner neuen Membran an, die speziell für die Anion Exchange Membrane (AEM) Elektrolyse entwickelt wurde. Dieses Verfahren bietet gegenüber etablierten Technologien entscheidende Vorteile:

  • Kosteneffizienz durch Verzicht auf Edelmetalle: Während klassische Verfahren häufig auf teure Edelmetalle wie Platin oder Iridium angewiesen sind, ermöglicht die Evonik-Membran den Einsatz kostengünstiger Materialien.
  • Druckelektrolyse: Die Membran erlaubt es, Wasserstoff direkt unter Druck zu produzieren. Dies eliminiert die Notwendigkeit nachgeschalteter, energieintensiver Kompressionsschritte und steigert den Gesamtwirkungsgrad der Anlage erheblich.

Strategische Expansion: Fokus auf den chinesischen Markt

Während die Produktion der Membranen im deutschen Marl angelaufen ist, zeigt der Blick nach Asien, wo Evonik das größte Marktpotenzial für diese Technologie verortet. Mit der Eröffnung eines eigenen Technikzentrums in Shanghai unterstreicht der Konzern seinen Anspruch, globaler Technologieführer in diesem Segment zu werden.

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In der chinesischen Industrie stößt die AEM-Technologie aktuell auf besonders große Resonanz. Durch die Kooperation mit lokalen Partnern unter industriellen Bedingungen will Evonik die Skalierbarkeit unter Beweis stellen. Das Technikzentrum dient dabei als Knotenpunkt, um die in Deutschland produzierten Spezialmembranen passgenau für die Anforderungen globaler Abnehmer zu validieren und in großskalierte Elektrolyse-Projekte zu integrieren.

Aktienmarkt reagiert verhalten

Trotz der positiven technologischen Meldung bleibt der Aktienmarkt skeptisch. Das Papier von Evonik notiert am Dienstag mit einem Abschlag von rund 2,3 Prozent bei 15,15 Euro. Diese Reaktion spiegelt die aktuelle Herausforderung für viele Chemieunternehmen wider: Während langfristige Innovationen wie die AEM-Membran zukunftsträchtig sind, dominieren kurzfristig oft Sorgen über das konjunkturelle Umfeld, hohe Energiekosten und die zeitintensive Hochlaufphase neuer Geschäftsfelder.

Für Investoren stellt sich die Frage, ob die AEM-Technologie zum entscheidenden Renditehebel wird, sobald der Markt für grünen Wasserstoff das Stadium der Pilotanlagen verlässt. Evonik hat mit diesem Schritt die Weichen gestellt, um bei der industriellen Skalierung als Zulieferer eine zentrale Rolle einzunehmen. Ob sich dies jedoch kurzfristig in den Kursen niederschlägt, bleibt abzuwarten, da der Sektor derzeit stark unter dem Druck der volatilen Energiepreise steht.

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