Der chinesische Autobauer BYD zieht der Konkurrenz bei der Software-Entwicklung in einem atemberaubenden Tempo davon. Während westliche Hersteller bei Updates hinterherhinken, rüstet BYD seine Flotte massiv auf. Gleichzeitig offenbart ein Blick auf die aktuellen Absatzzahlen eine tiefe Spaltung zwischen einem boomenden Exportgeschäft und einem hart umkämpften Heimatmarkt. Die Software-Dominanz ist beeindruckend – doch sie bringt kein Geld.

200 Updates gegen den Rest der Welt – Tesla bei 16, VW bei fünf
Ein bemerkenswerter Datenpunkt unterstreicht die technologischen Ambitionen des Konzerns. Im Jahr 2025 veröffentlichte BYD rund 200 Software-Updates für seine Marken Ocean und Dynasty. Zum Vergleich: Tesla brachte es im vergangenen Jahr auf lediglich 16 Aktualisierungen, während Toyota und Volkswagen mit acht beziehungsweise fünf Updates weit abgeschlagen sind.
200 Updates – das ist mehr als ein Update alle zwei Tage. BYD entwickelt in einem Tempo, das westliche Hersteller nicht mithalten können. Die Frage ist: Wozu? Updates kosten Geld, bringen aber in China keine Einnahmen. BYD verschenkt, was Tesla verkauft. Die Strategie ist riskant.
Vertikale Integration ermöglicht Tempo – 80 Prozent Eigenproduktion
Diese hohe Schlagzahl verdankt das Unternehmen seiner vertikalen Integration. Durch die hauseigene Entwicklung von Halbleitern, Betriebssystemen und Hardware lassen sich Änderungen in hoher Geschwindigkeit implementieren, ohne das Nutzererlebnis zu stören. Für die Fahrer bedeutet dies spürbare Verbesserungen bei Effizienz und Reichweite nach dem Kauf. Ein Beispiel ist die Limousine Han L, die Mitte Februar durch ein Update ein KI-gesteuertes Fahrassistenzsystem für komplexe Verkehrssituationen erhielt.
BYD produziert rund 80 Prozent der Komponenten selbst. Das ist ein massiver Vorteil. Keine Abhängigkeit von Lieferanten, keine Verzögerungen, keine Kompromisse. Doch es ist auch ein massives Risiko. Sollte die Nachfrage einbrechen, sitzt BYD auf riesigen Überkapazitäten. Die Fixkosten sind enorm.
Updates kostenlos in China – keine direkten Einnahmen
Die technologische Führerschaft bringt jedoch eine strategische Hürde mit sich. In China sind diese Updates in der Regel kostenlos, was einen direkten Beitrag zum Unternehmensgewinn ausschließt. Während Konkurrenten wie XPeng oder Tesla über kostenpflichtige Abonnements für autonomes Fahren nachdenken, verzichtet BYD bislang auf diese direkte Einnahmequelle.
Das ist das Problem. BYD entwickelt 200 Updates pro Jahr – und verschenkt sie. Tesla verkauft Full Self-Driving für 15.000 Dollar. BYD könnte dasselbe tun, tut es aber nicht. Warum? Weil der chinesische Markt es nicht hergibt. Die Kunden erwarten kostenlose Updates. Wer verlangt, verliert Marktanteile.
Exportziel auf 1,5 Millionen erhöht – internationale Expansion boomt
International zahlt sich der technologische Vorsprung in Form von rasant wachsenden Marktanteilen aus. Im ersten Quartal verzeichnete BYD in Großbritannien mit über 21.000 Neuzulassungen einen Rekord und sicherte sich einen Marktanteil von knapp vier Prozent. Auch global ziehen die Zahlen stark an. Im März exportierte der Konzern 120.083 Fahrzeuge, was einem Anstieg von 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das Management rechnet damit, dass hohe Ölpreise den Absatz von Elektroautos im Ausland weiter befeuern werden, und hob das Exportziel für das Jahr 2026 von 1,3 auf 1,5 Millionen Einheiten an.

Das ist die Hoffnung. BYD exportiert, weil China nicht mehr wächst. Der Heimatmarkt ist gesättigt, der Preiskampf brutal, die Margen schmelzen. Also geht BYD nach Europa, Südamerika, Südostasien. Dort sind die Margen besser, die Konkurrenz schwächer, die Kunden kaufwilliger. Doch auch dort drohen Zölle, Regulierung, Widerstand.
China-Absatz fiel sieben Monate in Folge – Preiskampf zerstört Margen
Diese internationale Dynamik steht in scharfem Kontrast zur Lage in China. Zwar lieferte BYD im März über 300.000 Fahrzeuge aus, was eine deutliche Steigerung zum Vormonat darstellt. Gegenüber dem März 2025 entspricht dies jedoch einem Rückgang von 20 Prozent – der siebte monatliche Rückgang in Folge.
Sieben Monate Rückgang hintereinander – das ist kein Zufall, das ist ein Trend. Der chinesische Markt schrumpft für BYD. Die Konkurrenz ist zu stark, die Preise zu niedrig, die Kunden zu wählerisch. BYD verkauft mehr Autos absolut, aber weniger als letztes Jahr. Das ist ein Warnsignal.
Nettogewinnmarge von 5,2 auf 4,1 Prozent geschrumpft – Gewinn minus 19 Prozent
Der anhaltende Preiskampf auf dem Heimatmarkt hinterlässt deutliche Spuren in der Bilanz. Die Nettogewinnmarge schrumpfte im vergangenen Jahr von 5,2 auf 4,1 Prozent, während der Nettogewinn um 19 Prozent auf 32,6 Milliarden Yuan fiel. Der BYD-Chef warnte bereits vor einer „K.o.-Phase" der Industrie, die schwächere Marktteilnehmer bedrohe.
Das ist die Realität. BYD verkauft mehr Autos, verdient aber weniger. Die Marge schrumpft, der Gewinn bricht ein. Das ist nicht nachhaltig. Irgendwann muss BYD die Preise erhöhen – oder die Kosten senken. Beides ist schwierig. Die Konkurrenz ist gnadenlos.
Citigroup bleibt optimistisch – Kursziel 174 HKD
Analysten der Citigroup bewerten die langfristige Positionierung aufgrund der hohen Fertigungstiefe – BYD produziert rund 80 Prozent der Komponenten selbst – dennoch positiv. Sie bestätigen ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 174 Hongkong-Dollar. Die Kombination aus rasanter Software-Entwicklung und massiver Eigenproduktion verschafft BYD einen klaren Wettbewerbsvorteil, der traditionelle Autobauer unter enormen Zugzwang setzt.
Die Citigroup mag recht haben. BYD hat Vorteile, die kein westlicher Hersteller hat. Doch die Frage bleibt: Reicht das, um profitabel zu wachsen? Oder führt der Preiskampf BYD in die Margenfalle? Die nächsten Quartale werden es zeigen.
