Die Hisbollah-Miliz im Libanon hat nach vier Wochen der Unsicherheit einen neuen Generalsekretär ernannt, nachdem der vorherige Führer, Hassan Nasrallah, von der israelischen Armee getötet wurde. Naim Kassim, zuvor Vize-Chef der Miliz, wird die Rolle übernehmen. Kassim ist kein Unbekannter in der Organisation - seit den frühen 1980er Jahren ist er ein festes Mitglied und spielte seit 1991 eine zentrale Rolle in der Führung.
Der Schura-Rat der Hisbollah hat einstimmig entschieden, dass Kassim die Fortsetzung der bisherigen strategischen Ziele der Miliz sicherstellen soll. Seine Ernennung folgt dem "anerkannten Verfahren für die Wahl des Generalsekretärs". Die Miliz betont die Fortführung ihrer Mission, die sie als "edle Mission" bezeichnet, auch unter der neuen Leitung.
Nachdem Nasrallah bei einem gezielten Luftangriff Ende September ums Leben kam, waren Diskussionen über seine Nachfolge entbrannt. Während anfangs auch der Name Haschim Safi al-Din als möglicher Nachfolger gehandelt wurde, bestätigte die Hisbollah kürzlich, dass dieser bereits vor Wochen bei einem israelischen Angriff umkam.
Kassim, ungefähr 70 Jahre alt und im südlichen Libanon geboren, gilt als erfahrene und einflussreiche Persönlichkeit innerhalb der Bewegung. Er teilt mit dem verstorbenen Nasrallah den religiösen Hintergrund als schiitischer Kleriker, bringt jedoch auch eine akademische Ausbildung in Chemie mit. Neben seiner politischen Arbeit hat Kassim 2004 ein Buch veröffentlicht, das sowohl die Geschichte der Hisbollah als auch autobiografische Elemente enthält.
Die Spannungen zwischen der Hisbollah und Israel haben sich in den letzten Wochen weiter verschärft. Israels militärische Operationen im Libanon gehen unvermindert weiter, während die Hisbollah ihrerseits Raketenangriffe auf den Norden Israels ausführt. Diese Aktionen werden von der Miliz als Unterstützung für die islamistische Hamas im andauernden Gaza-Konflikt gesehen, der durch den Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023 mit zahlreichen Todesopfern ausgelöst wurde.