Im Ringen um ein Ende des Iran-Kriegs gibt es erneut einen Rückschlag: US-Präsident Donald Trump hat die Reise seines Sondergesandten Steve Witkoff und seines Schwiegersohns Jared Kushner nach Pakistan abgesagt. „Zu viel Zeitverschwendung durch das Reisen, zu viel Arbeit!", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.
Pakistan vermittelt in dem Konflikt zwischen dem Iran und den USA. Islamabad versucht, eine zweite Verhandlungsrunde zwischen den Konfliktparteien zustande zu bringen.
Die Hoffnungen darauf waren am Freitag gestiegen, nachdem der iranische Außenminister Abbas Araghtschi am Abend in Islamabad eingetroffen war und das Weiße Haus angekündigt hatte, am Samstag eine Delegation dorthin zu entsenden.
Nun kommt alles anders. Trump zieht den Stecker. Per Tweet.
Trump erklärt den Iran für handlungsunfähig
Trump schrieb auf Truth Social mit Blick auf die Islamische Republik, es gebe „innerhalb ihrer Führung enorme interne Streitigkeiten und Verwirrung". Niemand wisse, wer das Sagen habe, „nicht einmal sie selbst". Die USA hielten alle Trümpfe in der Hand. „Wenn sie sprechen wollen, müssen sie nur anrufen!!!"
Diese Aussage ist bemerkenswert. Trump attestiert dem Iran faktisch Regierungsunfähigkeit. Die Führung sei zerstritten, niemand treffe Entscheidungen, das Land sei chaotisch.
Ob das stimmt, ist unklar. Der Iran ist ein autoritärer Staat mit klaren Machtstrukturen. Der Oberste Führer Ali Khamenei hat das letzte Wort. Präsident und Regierung führen aus, was er vorgibt.
Dass es interne Machtkämpfe gibt, ist wahrscheinlich. Moderatere Kräfte dürften auf Verhandlungen drängen, Hardliner auf Konfrontation. Doch chaotisch ist das System nicht.
Trumps Behauptung dient einem Zweck: Sie rechtfertigt die Absage. Wenn der Iran nicht verhandlungsfähig ist, macht eine Reise keinen Sinn.
Die Formulierung „Wenn sie sprechen wollen, müssen sie nur anrufen" ist klassischer Trump. Er inszeniert sich als denjenigen, der wartet – nicht als denjenigen, der gescheitert ist.

Fox News und Axios liefern weitere Details
Zuvor hatten bereits der US-Sender Fox News und das Nachrichtenportal „Axios" Trump mit ähnlichen Aussagen zitiert. „Ich habe meinen Leuten vor kurzem gesagt, sie bereiteten sich gerade auf die Abreise vor, und ich habe gesagt: ‚Nein, ihr werdet keinen 18-Stunden-Flug machen, um dorthin zu gehen'", sagte Trump Fox News.
18 Stunden Flug – zu viel Aufwand für ein Gespräch, das womöglich nichts bringt. Trump präsentiert sich als pragmatischer Manager, der keine Zeit verschwendet.
Die Frage ist: Warum wurde die Reise überhaupt angekündigt, wenn Trump sie für Zeitverschwendung hält? Entweder hat sich in letzter Minute etwas geändert – oder die Ankündigung war ein taktisches Manöver.
„Axios" fragte Trump in einem Telefoninterview, ob die Absage der Reise bedeute, dass er den Krieg nun wieder aufnehmen werde. Der US-Präsident sagte demnach: „Nein. Das bedeutet es nicht. Wir haben noch nicht darüber nachgedacht."
Diese Antwort ist doppeldeutig. Trump schließt eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen nicht aus – er hat nur „noch nicht darüber nachgedacht". Das lässt alle Optionen offen.
Kurz zuvor hieß es aus pakistanischen Sicherheitskreisen, der iranische Außenminister Abbas Araghtschi sei wieder aus Islamabad abgereist, ohne US-Vertreter zu treffen.
Araghtschi kam, wartete – und ging wieder. Ohne Ergebnis.
Was geplant war – und warum es scheiterte
Trumps Sprecherin Karoline Leavitt hatte erst am Freitag angekündigt, dass Kushner und Witkoff am Samstagmorgen (Ortszeit Washington) nach Pakistan aufbrechen würden. Die Iraner hätten darum gebeten, persönlich zu sprechen, betonte sie.
Das ist die US-Version. Der Iran stellte es anders dar.
Aus dem Iran wurde die Darstellung des Weißen Hauses zurückgewiesen. Außenamtssprecher Ismail Baghai sagte, es sei kein Treffen mit der amerikanischen Seite geplant – nur mit den pakistanischen Vermittlern werde gesprochen.
Wer lügt hier? Oder reden beide aneinander vorbei?
Möglich ist, dass Pakistan die USA eingeladen hat, in der Hoffnung, ein Treffen zustande zu bringen. Die Iraner hätten indirekt signalisiert, offen für Gespräche zu sein. Die USA interpretierten das als direkte Anfrage.
Doch der Iran wollte keine direkten Gespräche – nur Vermittlung über Pakistan. Als das klar wurde, sagte Trump ab.
An diesem Samstag traf Araghtschi nach Angaben des Staatssenders Irib in Islamabad zunächst den pakistanischen Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, der eine Schlüsselrolle in den Vermittlungen zur Beilegung des Kriegs spielt. Später sprach Araghtschi auch mit dem pakistanischen Ministerpräsidenten Shebaz Sharif.
Der Iran verhandelt also weiter – nur nicht mit den USA. Stattdessen nutzt Teheran Pakistan als Puffer.
Diplomatisches Chaos statt Friedensprozess
Dass die US-Vertreter nun gar nicht erst anreisen, unterstreicht, wie schwierig allein das Zustandekommen diplomatischer Gespräche zwischen den USA und dem Iran aktuell ist.
Die beiden Länder haben seit 1979 keine diplomatischen Beziehungen. Sie kommunizieren über Drittstaaten – Schweiz, Oman, jetzt Pakistan.
Trump hatte am Dienstag einseitig die Waffenruhe mit dem Iran verlängert, ohne dabei ein klares Ende zu nennen. Kurz zuvor hatte der Iran einer Teilnahme an weiteren Verhandlungen in Pakistan eine Absage erteilt.
Die Chronologie ist verwirrend. Erst sagt der Iran ab. Dann verlängert Trump die Waffenruhe. Dann wird eine US-Reise nach Pakistan angekündigt. Dann wird sie abgesagt.

Niemand scheint zu wissen, was läuft. Oder jeder spielt sein eigenes Spiel.
Das Nachbarland des Irans vermittelt in dem Konflikt. Verhandler der Konfliktparteien hatten sich in Islamabad vor zwei Wochen für eine erste direkte Gesprächsrunde getroffen – sie endete allerdings ohne Ergebnis.
Die erste Runde brachte nichts. Die zweite findet nicht statt. Die dritte wird es vermutlich auch nicht geben.
Zentrale Streitpunkte zwischen den USA und dem Iran sind das iranische Atomprogramm und die Sperrung der Straße von Hormus.
Diese Punkte sind nicht verhandelbar – zumindest nicht ohne massive Zugeständnisse auf beiden Seiten. Der Iran will sein Atomprogramm behalten. Die USA wollen es beenden.
Der Iran blockiert die Straße von Hormus. Die USA blockieren iranische Häfen.
Solange beide Seiten auf Maximalforderungen beharren, gibt es keine Lösung.
Die Waffenruhe ist fragil – und könnte jederzeit enden
Trump hat die Waffenruhe verlängert – aber ohne Zeitrahmen. Das bedeutet: Sie gilt, bis er sie für beendet erklärt.
Diese Unsicherheit ist gefährlich. Unternehmen können nicht planen. Versicherer erhöhen die Prämien. Die Ölpreise bleiben volatil.
Die Börsen haben die Waffenruhe als Signal gewertet, dass eine Eskalation unwahrscheinlich ist. Doch wenn die diplomatischen Bemühungen scheitern, steigt das Risiko wieder.
Trump könnte jederzeit die Blockade verschärfen, neue Sanktionen verhängen, militärische Schläge anordnen. Der Iran könnte weitere Schiffe beschlagnahmen, Ölanlagen angreifen, Stellvertreter aktivieren.
Die Lage ist instabil. Und Trumps Absage der Pakistan-Reise macht sie nicht stabiler.