Das israelische Parlament hat am Montag zwei Gesetze verabschiedet, die der UN-Agentur für palästinensische Flüchtlinge, UNRWA, die Arbeit in Israel untersagen und die diplomatischen Beziehungen zur Organisation abbrechen. Diese Maßnahmen bedrohen die Möglichkeit, dass UNRWA fast zwei Millionen in Gaza durch den Krieg vertriebene Menschen mit Nahrungsmitteln, Medizin und Unterkünften versorgt. Dieses Gesetzesvorhaben stieß nicht nur auf Widerstand seitens Israels europäischer Verbündeter, sondern auch Japans und Südkoreas, die davor warnten, dass solche Schritte schwerwiegende Folgen für die ohnehin kritische humanitäre Lage haben könnten. Ein US-amerikanischer Sprecher äußerte Befürchtungen, dass ohne UNRWA der Zugang zu lebensnotwendigen Gütern für die Zivilbevölkerung – darunter Kinder – zusammenbrechen könne. Trotz dieser Warnungen begrüßte der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu die Gesetze. Sie fanden Unterstützung nicht nur in seiner rechtsgerichteten Koalition, sondern in den meisten jüdischen Parlamentariern. Dagegen wurden kritische Stimmen palästinensischer Abgeordneter niedergerungen. Obwohl das erste Gesetz UNRWA nicht ausdrücklich aus Gaza und dem Westjordanland ausschließt, unterbindet das zweite jede diplomatische Kommunikation zwischen Israel und der Agentur. Dies könnte die tägliche Bereitstellung humanitärer Hilfe in Gaza erheblich behindern. Netanyahu betonte allerdings auf X, dass Israel weiterhin verpflichtet sei, den Zugang zu Hilfe in Gaza zu ermöglichen. UNRWA-Chef Philippe Lazzarini bezeichnete die Abstimmung als Verstoß gegen internationales Recht und als Versuch, die Legitimität und Rolle der Agentur zu untergraben. Die israelische Regierung warf der Organisation vor, Mitarbeiter hätten mit der militanten Gruppe Hamas kooperiert, lieferte jedoch wenig Beweise. Bereits im August hatte UNRWA neun Personen entlassen, die möglicherweise in Angriffe verwickelt waren. Die neuen Gesetze treten zwar erst in drei Monaten in Kraft, aber sie werden sich sofort auf Ost-Jerusalem und das Westjordanland auswirken. Ost-Jerusalem wurde von Israel annektiert, ein Schritt, der international kaum anerkannt wird, aber für Israel Teil seines souveränen Territoriums ist.
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Israels Parlament setzt UNRWA unter Druck – Zwischen Humanitärer Krise und Politischem Kalkül