Die deutsche Wirtschaft scheint ihre konjunkturelle Talfahrt überwunden zu haben, ein durchgreifender Aufschwung bleibt jedoch aus. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte, bei der 199 Finanzvorstände zwischen Ende März und Anfang April zu ihren Einschätzungen befragt wurden. Die Studienteilnehmer beurteilen die Geschäftsaussichten insgesamt vorsichtig optimistisch, wenngleich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen bestehen.
Während man von Umsatzsteigerungen ausgeht, erwarten die Unternehmen keine Zunahme der Gewinnmargen und verfolgen eine zurückhaltende Politik in Bezug auf Investitionen und die Erweiterung des Personals. Insbesondere binnenmarktorientierte Sektoren wie Immobilien und Einzelhandel blicken nach längerer Durststrecke wieder zuversichtlicher in die Zukunft – eine Entwicklung, die maßgeblich durch die sinkende Inflationsrate und die Aussicht auf kommende Zinssenkungen getragen wird. So planen Dienstleister wieder vermehrt in Investitionen und Personal zu investieren, wobei vorrangig die Technologie- und Logistikbranche neue Arbeitskräfte anwerben will. Auch im Bereich der Chemieindustrie sind die Erwartungen überraschend positiv.
Weniger Rosig sind die Perspektiven für die exportabhängigen Industriezweige, die unter anderem durch schwer kalkulierbare geopolitische Risiken belastet werden. Die daraus resultierende Vorsicht spiegelt sich in stagnierenden Prognosen für Beschäftigung und Investitionstätigkeit wider. Demgegenüber steht die Automobilbranche, die nahezu am unteren Ende der Erwartungsskala rangiert: Zwei Drittel der dortigen Finanzvorstände prognostizieren schlechtere Geschäftsaussichten und mehr als die Hälfte plant, die Investitionen zu reduzieren und 77 Prozent streben eine Reduzierung der Belegschaft an.
Die größte Sorge der Finanzchefs gilt dabei einer abflauenden Inlandsnachfrage, dicht gefolgt von Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel und steigenden Lohnkosten. Für international agierende Großunternehmen rücken zudem geopolitische Unsicherheiten in den Fokus. Trotz aller Vorsicht trägt das Schreckgespenst der Inflation weiterhin zur allgemeinen Skepsis bei. Die befragten Führungskräfte erwarten einen durchschnittlichen Preisanstieg von 3,1 Prozent im kommenden Jahr.