27. August, 2026

Wirtschaft

Wirecard-Prozess: Ehemaliger Buchhaltungschef E. bricht sein Schweigen

Wirecard-Prozess: Ehemaliger Buchhaltungschef E. bricht sein Schweigen

Mit einer Mischung aus Einsicht und Vorwürfen hat der ehemalige Chef der Buchhaltung, E., im Wirecard-Prozess nach langem Schweigen das Wort ergriffen. Am 138. Verhandlungstag bekannte sich E. zu Fehlern, für die er Verantwortung übernehmen und sich entschuldigen wolle. Gleichzeitig wies er jedoch mehrfach die Zuständigkeit von sich und attackierte scharf den Kronzeugen Oliver Bellenhaus. Diesem warf er Hass, Neid und Lügengeschichten vor.

In seiner knapp 190 Seiten umfassenden Erklärung, die er selbst verfasste, bezeichnete E. Bellenhaus als einen Experten im Lügen und Verdrehen. Bellenhaus habe seine Aussagen aus boshaftem "Belastungseifer" gemacht, so E. Der ehemalige Chef der Buchhaltung deutete an, dass Bellenhaus ihm seine Position und sein Gehalt geneidet habe. Zudem habe Bellenhaus durch E.'s Nachfrage nach Belegen in Bedrängnis geraten und diese schließlich gefälscht.

E. präsentierte sich hingegen als jemand, der immer im Sinne des Unternehmens gehandelt habe. Persönliche Bereicherung wies er von sich. Die Arbeitslast und ein überforderndes Volumen an Aufgaben hätten ihn daran gehindert, alle Sachverhalte genau zu prüfen. Oft habe er sich auf die Abteilungen verlassen müssen, deren Informationen direkt an Wirtschaftsprüfer weitergeleitet wurden.

Gerichtssprecher Laurent Lafleur resümierte den ersten Tag der Aussage mit der Feststellung, dass ein Geständnis ausgeblieben ist und diese Tendenz wohl anhalten werde. Die Staatsanwaltschaft äußerte Enttäuschung über die wenig ergiebigen Ausführungen, während die Verteidigung des mitangeklagten Ex-Wirecard-Chefs Markus Braun Erleichterung verspürte. E.'s Aussage stütze Brauns Darstellung der Ereignisse und entlaste ihn.

Wirecard kollabierte im Juni 2020, nachdem auf Treuhandkonten verbuchte 1,9 Milliarden Euro unauffindbar waren. Drei Angeklagten, darunter der untergetauchte Vertriebsvorstand Jan Marsalek, wird vorgeworfen, in einem groß angelegten Betrugssystem Umsätze in Milliardenhöhe erfunden zu haben, um das Unternehmen im DAX zu halten. Während Markus Braun alle Vorwürfe bestreitet, tritt Oliver Bellenhaus als Kronzeuge auf.