27. August, 2026

Wirtschaft

Wirecard-Prozess: Chef der Buchhaltung bricht Schweigen

Wirecard-Prozess: Chef der Buchhaltung bricht Schweigen

Am 138. Verhandlungstag im Wirecard-Prozess sorgte der Chef der Buchhaltung, E., für eine Überraschung, indem er sein Schweigen brach. Zu Beginn seines ausführlichen, auf zwei Tage angelegten Statements räumte er Fehler ein, die er bereue und für die er sich entschuldigen wolle. Gleichzeitig betonte er, stets im besten Interesse des Unternehmens gehandelt und sich nicht persönlich bereichert zu haben. E. erklärte, dass er sich aufgrund der Vielzahl an Aufgaben oft nur oberflächlich mit vielen Themen habe beschäftigen können und daher auf die Fachabteilungen angewiesen gewesen sei.

E. schilderte seine damalige Tätigkeit mit dem Bild eines Jongleurs, der permanent damit beschäftigt sei, keine Bälle fallen zu lassen. Diese ständige Beschäftigung sei jedoch zu schnelllebig gewesen, um sich eingehender mit den einzelnen Bereichen auseinanderzusetzen. Rückblickend bedauerte er, dass er nicht innegehalten habe, um diese Themen ausführlicher zu prüfen.

Die Zeugenaussage von E. zeichnete ein Bild von mangelhafter personeller Besetzung, schlechten Prozessen und überfordernden Arbeitsvolumen. Er betonte, dass es insbesondere bei den Jahresabschlüssen enormen Zeitdruck gegeben habe und er oft nicht die Kraft oder Zeit gehabt habe, alle Details zu hinterfragen. Stattdessen habe man auf die Informationen der Fachabteilungen vertrauen und diese teils ungeprüft an die Wirtschaftsprüfer weiterleiten müssen.

Zum Drittpartnergeschäft, dem zentralen Punkt im Zusammenbruch von Wirecard, äußerte sich E. zunächst nicht. Er schränkte jedoch die Erwartungen an seine Aussage ein, indem er erklärte, dass dieses Geschäftsfeld nicht in seinen Verantwortungsbereich gefallen und er viele Informationen dazu lediglich vom Hörensagen habe. Seine Kenntnisse beschränkten sich auf seine langjährige Arbeit bei Wirecard.

Wirecard musste im Juni 2020 Insolvenz anmelden, nachdem 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten unauffindbar waren. Die Anklage beschuldigt die drei Angeklagten, darunter den flüchtigen Ex-Vertriebsvorstand Jan Marsalek und weitere Komplizen, in großem Umfang Umsätze erfunden zu haben, um den defizitären Dax-Konzern zu stützen. Seit Prozessbeginn im Dezember 2022 hatte E. bisher geschwiegen, während der frühere CEO Braun alle Vorwürfe bestritt. Der geständige Bellenhaus tritt als Kronzeuge auf und belastet die Mitangeklagten schwer.