29. August, 2026

Wirtschaft

Weiterbildung in kleinen Unternehmen: Hohe Priorität mit Hindernissen

Weiterbildung in kleinen Unternehmen: Hohe Priorität mit Hindernissen

Weiterbildung genießt in kleineren Unternehmen in Deutschland größere Aufmerksamkeit als in mittelständischen und großen Betrieben, wie eine aktuelle Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft zeigt. Mitarbeiter in kleinen Unternehmen investieren durchschnittlich 23,9 Stunden pro Jahr in ihre Weiterbildung, im Vergleich zu 19,1 Stunden in mittelgroßen und 18,1 Stunden in großen Unternehmen.

Für die Studie wurden Personalverantwortliche aus über 950 Firmen befragt. Kleinere Betriebe investieren demnach 1492 Euro pro Mitarbeiter in Weiterbildungsmaßnahmen, während mittelgroße Unternehmen 1288 Euro und große Unternehmen 1267 Euro ausgeben. Große Firmen profitieren dabei oft von Kostenvorteilen, indem sie durch die Anmeldung größerer Gruppen günstigere Konditionen erzielen.

Der Sozialverband Deutschland sieht die geringeren Investitionen größerer Unternehmen kritisch. Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Verbands, spricht von einem „alarmierenden Trend“. Angesichts der verlängerten Lebensarbeitszeit sei es entscheidend, Mitarbeiter frühzeitig zu qualifizieren oder umschulen zu lassen, um ihnen den Wechsel von belastenden zu leichteren Tätigkeiten zu ermöglichen. Dies sei „die beste Prävention vor Arbeitslosigkeit“, betont Engelmeier.

In den letzten Jahren hat die Bedeutung von Weiterbildung stark zugenommen. Unternehmen investierten 2016 laut Kofa 33,5 Milliarden Euro in Weiterbildung ihrer Beschäftigten, 2022 waren es bereits über 46 Milliarden Euro. „In Zeiten des Fachkräftemangels wird es immer wichtiger, dass Mitarbeiter bereit sind, zusätzliche Kompetenzen aufzubauen“, so Susanne Seyda, Autorin der Kofa-Studie.

Allerdings gibt es erhebliche Hindernisse. Fehlende Zeit und mangelnde interne Kapazitäten für Organisation und Planung sind laut Umfrage die größten Hürden. Zudem haben kleine und mittelgroße Betriebe oft Schwierigkeiten, ihre Beschäftigten für Weiterbildungsangebote zu begeistern. Über die Hälfte dieser Unternehmen klagt über mangelndes Interesse, bei großen Unternehmen sind es 36,4 Prozent. Ein weiterer Anreiz wie ein beruflicher Aufstieg fehlt oftmals in kleineren Betrieben.

Die Einschätzungen über die Notwendigkeit von Weiterbildung variieren stark. Fast 48 Prozent der kleinen und mittelgroßen Firmen sehen keinen Bedarf, während dies bei großen Unternehmen selten der Fall ist. Kleinere Unternehmen gehen das Thema meist weniger systematisch an, oft fehlen spezielle Abteilungen oder Personal für Planung und Organisation.

„Das kann negative Auswirkungen haben, da der Weiterbildungsbedarf möglicherweise nicht erkannt wird, die Motivation der Mitarbeitenden schwerer fällt oder passende Angebote nicht gefunden werden, weil der Zweck der Weiterbildung unklar ist“, erklärt Kofa-Expertin Seyda. Sie empfiehlt regelmäßige Mitarbeitergespräche, um Interesse und Begeisterung zu wecken. Entwicklungspläne und Zielvereinbarungen könnten den Nutzen von Weiterbildungsmaßnahmen sichtbar machen und die Kultur der Weiterbildung in den Betrieben nachhaltig verankern.