Die Würfel sind gefallen im Hause Flatexdegiro: Unternehmenslenker Frank Niehage legt Ende April seine Funktion als Vorstandsvorsitzender nieder. Einigkeit und Zufriedenheit klingen anders: Das offizielle Statement verweist auf "unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Entwicklung" und das Unternehmensinteresse als Beweggründe für den Rücktritt. Eine Entwicklung, die nur kurzzeitig für positives Aufsehen bei den Anlegern sorgte – schnell verlor die Aktie des Online-Brokers an Wert und markierte das Schlusslicht des SDax mit einem Kurs von 9,69 Euro und einem Tagesverlust von über fünf Prozent. Damit setzt sich der Negativtrend der Aktie fort, der seit dem Allzeithoch im Jahr 2021 einen Rückgang um zwei Drittel verzeichnet.
Trotz Veränderungen im Management lobt der Aufsichtsrat die bisherige Leistung von Niehage, der Flatexdegiro innerhalb von zehn Jahren an die Spitze des europäischen Online-Brokerage geführt und 2,8 Millionen Kunden sowie 58 Milliarden Euro an Kundenvermögen akkumuliert hat. Optimistisch blickt das Unternehmen auf das Geschäftsjahr 2024, in dem Höchstwerte bei Umsatz und Konzernergebnis prognostiziert werden.
Die Nachfolgesuche für den Vorstandsvorsitzenden hat bereits begonnen, wobei Zwischenlösungen schon feststehen: Benos Janos, Finanzchef, und Stephan Simmang, Technikvorstand, werden bis zur Amtsübernahme durch einen neuen CEO die Geschicke des Brokers als gleichberechtigte Co-Chefs lenken.
Hintergrund der aktuellen Entwicklung sind wohl auch nicht zu ignorierende Kritikpunkte. Niehage sah sich bereits seit geraumer Zeit mit Unzufriedenheit konfrontiert – insbesondere nach einer Prüfung durch die Bafin im Jahr 2022, bei der diverse Defizite aufgedeckt wurden. Hinzu kamen der gesunkene Handel seit der Pandemie und Missfallen vonseiten des Großaktionärs Bernd Förtsch, der in einem Interview deutliche Worte fand und gravierende Fehlentwicklungen anprangerte. Förtsch, der das Ursprungsunternehmen selbst gründete und knapp 20 Prozent der Aktien hält, kündigte an, bei der Hauptversammlung im Juni entsprechende Konsequenzen zu fordern. Mit dem bevorstehenden Rücktritt von Niehage zeichnet sich bereits eine Kurskorrektur ab.