Der Oberste Gerichtshof der USA hat die Befugnisse der Börsenaufsicht SEC bei der Bekämpfung von Wertpapierbetrug erheblich eingeschränkt. Bislang hatte die SEC in vielen Fällen eigene Richter entscheiden lassen. Diese Praxis wurde nun aber vom höchsten Gericht des Landes als verfassungswidrig eingestuft, da sie gegen das Recht der Beschuldigten auf einen Geschworenen-Prozess verstößt. Diese Entscheidung könnte auch Auswirkungen auf andere US-Behörden haben, die ähnliche interne Verfahren nutzen.
SEC-Anwälte hatten argumentiert, dass die Verfahren vor eigenen Richtern weniger wie allgemeine Prozesse, sondern mehr zum Schutz der Allgemeinheit dienen würden. Das Oberste Gericht folgte jedoch dieser Argumentation nicht. In einer Entscheidung entlang der politischen Trennlinie stimmten die sechs konservativen Richter für eine Einschränkung der SEC-Macht. Der Vorsitzende Richter John Roberts betonte dabei, dass die Behörde nicht gleichzeitig als Richter, Geschworene und Ankläger agieren dürfe. Die drei liberalen Richterinnen veröffentlichten eine Gegenposition.
Diese interne Praxis der SEC stärkte bisher das Durchsetzungsvermögen der Behörde erheblich, und viele Beschuldigte entschieden sich oft für Vergleichsvereinbarungen mit hohen Zahlungen. Besonders nach der Finanzkrise von 2008 setzte die SEC häufig auf eigene Richter. In den letzten Jahren nahmen die Fälle jedoch ab, weil die Rechtmäßigkeit dieser Verfahren zunehmend infrage gestellt wurde.
Der Supreme Court wurde in dieser Angelegenheit durch einen ehemaligen Hedge-Fonds-Manager angerufen. Ihm war von der SEC im Jahr 2013 vorgeworfen worden, falsche Angaben gegenüber Investoren gemacht zu haben. Ein interner Richter entschied gegen ihn, und er sollte zusammen mit seiner Firma insgesamt rund eine Million Dollar zahlen. Der Manager wies die Vorwürfe stets zurück, zog zunächst vor ein Berufungsgericht und erzielte nun den endgültigen Sieg vor dem Obersten Gericht.