Der Bund der Steuerzahler bewertet bestimmte staatliche Hilfen für die finanziell in Bedrängnis geratene Meyer Werft als angemessen. Es handelt sich bisher um Liquiditätshilfen, die den Zeitraum bis zur Auslieferung der Kreuzfahrtschiffe finanziell überbrücken sollen. Eine solche Maßnahme sei vernünftig, betont Jan Vermöhlen, Vorstandsmitglied des Landesverbands Niedersachsen/Bremen gegenüber der 'Nordwest-Zeitung'. Die Belastung des Landeshaushalts durch die Übernahme einer Bürgschaft würde nur bei einer tatsächlichen Inanspruchnahme eintreten. Mittelfristig sollten jedoch andere Lösungen mit den Auftraggebern oder Banken gefunden werden.
Einer direkten Anteilsübernahme des Landes an der Werft steht der Steuerzahlerbund skeptisch gegenüber. 'Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer. Die Gefahr besteht, dass langfristige Zukunftskonzepte zugunsten kurzfristiger Arbeitsplatzsicherung geopfert werden,' warnt Vermöhlen.
Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) betonte kürzlich, dass sich die Werft in einer existenziellen Krise befinde. Das Land wolle daher eingreifen, um das Unternehmen und die Arbeitsplätze zu erhalten. 'Wenn wir gute Gründe haben, an die Zukunft des Unternehmens zu glauben, werden wir uns vehement dafür einsetzen, diese Zukunft zu ermöglichen,' sagte Weil. Auch eine Beteiligung des Bundes an den Rettungsbemühungen sei notwendig.
Die Meyer Werft kämpft mit den Nachwirkungen der Corona-Pandemie und Preissteigerungen aufgrund des russischen Angriffs auf die Ukraine, was zu einer Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro führte. Laut Regierungschef Weil hängen 'etliche Tausend Arbeitsplätze' von der Werft ab, sowohl über die Stammbelegschaft hinaus als auch über Niedersachsen hinaus.