Die deutsche Automobilindustrie mag mit einem Rekordumsatz von 558 Milliarden Euro im letzten Jahr glänzen, doch die Euphorie wird von der zunehmenden Kluft zwischen den Herstellern und ihren Zulieferern getrübt. Eine frisch veröffentlichte Studie von EY belegt, dass Autohersteller im Umsatzwachstum mit 11 Prozent die Nase vorn haben, während Zulieferer eine Zunahme ihrer Umsätze von 9 Prozent erfuhren. Seit 2014 ist der Unterschied noch prägnanter: Die Zulieferer vermochten ihren Umsatz um 25 Prozent zu steigern, während die Hersteller einen 59-prozentigen Anstieg verbuchten.
Konstantin Gall von EY gibt zu bedenken, dass die hohen Umsätze auch auf Inflation und teure Materialkosten zurückzuführen sind. Die Profitmargen seien gesunken, besonders bei den Zulieferern, deren wirtschaftliche Situation sich verschärft. Eine zukunftsfähige Positionierung der Zulieferer erfordert bedeutende Investitionen in neue Technologien. Mit Sorge blickt Gall auf die E-Mobilität, deren Hochlauf hinter den Erwartungen zurückbleibt, Kostenfaktoren erhöht und zu Unsicherheiten führt. Eine weitere Konsolidierung der Zulieferer ist seiner Meinung nach zu erwarten.
Die Beschäftigungslage spiegelt die Herausforderungen wider. Mit einem marginalen Anstieg von 0,7 Prozent liegt die Mitarbeiterzahl in der Branche bei etwa 780.000 und damit immer noch unter dem Höchststand von 2018. Während Hersteller einen Beschäftigungszuwachs von 1,2 Prozent erlebten, sank die Zahl der Beschäftigten bei den Zulieferern um 0,2 Prozent. Gall prognostiziert einen zukünftigen Abbau der Beschäftigung, getrieben von Einstellungsstopps und der schlankeren Gestaltung von Managementebenen.
Der anhaltende Trend zu Kostensenkungsprogrammen sowie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, der in unterstützenden Bereichen zu weniger Jobs führen dürfte, verstärkt die Aussicht auf eine düstere Beschäftigungssituation. Dass die Produktion von Elektrofahrzeugen weniger Arbeitskräfte erfordert, wird nach Galls Einschätzung zwangsläufig zu einer reduzierten Belegschaft in Deutschland führen.
In seiner Analyse greift EY auf Daten des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit zurück, wobei Betriebe mit mindestens 50 Mitarbeitern berücksichtigt wurden.