Ein Ende des Jahres eingetretener Auftragsanstieg lässt die deutsche Industrie aufhorchen: Mit einem satten Plus von 8,9 Prozent gegenüber dem Vormonat meldet das verarbeitende Gewerbe den stärksten Anstieg seit Sommer 2020. Nicht nur haben die Experten mit ihren Prognosen danebengelegen – sie vermuteten im Durchschnitt einen Rückgang von 0,2 Prozent –, sondern auch die Korrektur der Daten für November zeigt eine Abwärtsrevision, wo zuvor von einem geringen Plus ausgegangen wurde.
Der fulminante Zuwachs im Dezember resultiert hauptsächlich aus gewichtigen Großaufträgen, welche jedoch die statistischen Betrachtungen verzerrt haben könnten. Dies untermauert die Beobachtung, dass ohne diese Großprojekte der Auftragseingang im Dezember tatsächlich um 2,2 Prozent gesunken wäre. Sowohl das Statistische Bundesamt als auch die Verlautbarungen des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigen die Anomalie durch diese Großaufträge.
Eine dezidierte Branchenanalyse zeichnet ein differenziertes Bild der Lage: Während der sonstige Fahrzeugbau sowie die Hersteller elektrischer Ausrüstungen ein kräftiges Plus verzeichnen konnten, war es im Maschinenbau, bei den Kraftfahrzeugen und Kfz-Teilen sowie in der chemischen Industrie umgekehrt. Besonders der Sektor Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile erlebte mit einem beinahe 15-prozentigen Minus eine markante Delle.
Der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, betrachtet den jüngsten Auftragsschub als Fortsetzung eines Trends, der vor allem durch Großprojekte im Fahrzeugsektor beeinflusst ist und auch Schiffe, Züge und Flugzeuge umfasst. Analyst Ralph Solveen von der Commerzbank wiederum warnt davor, die Zahlen als Vorbote einer generellen Erholung zu werten. Ohne die starken Schwankungen durch Großaufträge bleibe der Ausblick für die deutsche Industrie trübe, und es könne befürchtet werden, dass die deutsche Wirtschaft bereits zu Anfang des Jahres eine Kontraktion erfahren könnte, die sich über das Jahr 2024 hinzieht.