31. August, 2026

Wirtschaft

Tickende Uhr für TikTok: Verkaufsfrist oder Verbot in den USA

Tickende Uhr für TikTok: Verkaufsfrist oder Verbot in den USA

Die Zukunft von TikTok in den Vereinigten Staaten hängt am seidenen Faden. Die Video-App, Teil des chinesischen Konzerns Bytedance, könnte aus den US-App-Stores verschwinden, sollten innerhalb eines Jahres keine neuen, von den USA gebilligten Eigentümer gefunden werden. Das aktuelle Misstrauen gegenüber TikTok rührt nicht allein von den typischen Internetplattform-Problematiken wie extremistischen Inhalten oder Suchtpotenzial. Vielmehr rücken Sicherheitsfragen bezüglich der Datennutzung und potenzieller Propaganda durch China in den Fokus der US-Politik.

Die Zeitspanne für Bytedance, um TikTok zu veräußern, beträgt zunächst neun Monate. Dieser Zeitraum kann jedoch von Präsident Joe Biden um drei Monate verlängert werden, wenn er Fortschritte bei den Verhandlungen feststellt. TikTok hingegen plant, sich mit rechtlichen Mitteln zu wehren und strebt zuerst eine einstweilige Verfügung an, um den Countdown zu stoppen.

Eine Aussetzung des Gesetzes durch die US-Gerichte ist dabei nicht völlig abwegig. Die Unternehmung stuft den Plan als Verstoß gegen das grundlegende Recht auf freie Rede ein, und ein vergleichbares Gesetz wurde bereits in Montana durch ein Gericht aufgrund ähnlicher Bedenken gestoppt. Dennoch steht das Bundesgesetz auf einer festeren rechtlichen Basis als ein Präsidentenerlass aus 2020.

Die Befürworter einer Entflechtung von TikTok und Bytedance betonen insbesondere die Gefahren eines möglichen Datenmissbrauchs durch chinesische Behörden sowie Manipulationsmöglichkeiten der öffentlichen Meinung. Bekräftigte Beweise für diese Gefahren blieben jedoch bisher unter Verschluss, trotz alarmierender Aussagen von US-Kongressmitgliedern nach Briefings von FBI und Geheimdiensten.

Derweil ziehen auch prominente Politiker wie Joe Biden und Bundeskanzler Olaf Scholz vermehrt die junge Zielgruppe der Plattform für ihre Zwecke heran, trotz der sicherheitstechnischen Bedenken. Für Nutzer in anderen Ländern könnte eine Verschiebung bei TikTok dazu führen, dass die App sich verändert – insbesondere, wenn sich die Bedienung des Algorithmus wandeln sollte. Sollte es zu einem Verbot kommen, könnten weitere Plattformen wie Instagram oder YouTube davon profitieren.

Indessen hat die EU-Kommission Ermittlungen gegen TikTok eingeleitet, allerdings wegen des Verdachts auf Suchtgefährdung. Dies zeigt, dass das Misstrauen gegenüber TikTok nicht nur auf Sicherheitsaspekten basiert.

Bytedance selbst wehrt sich gegen die Einstufung als chinesisch und verweist auf internationale Investoren sowie seinen Firmensitz auf den Cayman-Inseln. Doch kritische Stimmen beurteilen die Struktur des Unternehmens als unzureichend zur Loslösung von der Kontrolle durch China.

In Bezug auf den Umgang mit Nutzerdaten bemüht sich TikTok, Transparenz zu schaffen, und hat hierzu Projekte wie "Project Texas" ins Leben gerufen, aber die US-Politik zeigt sich unbeeindruckt. Obwohl es für TikTok möglich sein könnte, auch ohne das US-Geschäft zu überleben, bleibt die Zukunft des Unternehmens unsicher.

Um einen potenziellen Kauf von TikTok ringen bereits mehrere Investoren, unter ihnen der ehemalige US-Finanzminister Steven Mnuchin. Die Kosten für die Übernahme der App könnten sich auf viele Milliarden Dollar belaufen.