Die Reisekosten für deutsche Urlauber bleiben weiterhin hoch. Laut Statistischem Bundesamt sind insbesondere die Preise für Europaflüge und Pauschalreisen im ersten Halbjahr 2024 erneut gestiegen. Trotz eines allgemeinen Rückgangs internationaler Ticketpreise um 3,1 Prozent, zahlen Urlauber für Flüge ins europäische Ausland inzwischen 2,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ziele in Afrika verzeichnen einen Preisanstieg von 4,1 Prozent. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2022 sind die Ticketpreise sogar um durchschnittlich 20,9 Prozent gestiegen.
Auch Pauschalreisen ziehen preislich an. Im ersten Halbjahr 2024 mussten Gäste für Reisen zu Zielen in Europa oder Nordafrika durchschnittlich 5,2 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr. Besonders stark stiegen die Preise für Reisen in die Türkei um 7,6 Prozent sowie zu den spanischen Inseln Kanaren und Balearen um 6,7 bzw. 6,3 Prozent. Ein Lichtblick bleibt Ägypten, das als einziges Land günstigere Pauschalreisen bietet.
Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) macht unter anderem die zum 1. Mai erhöhte Ticketsteuer für die gestiegenen Flugpreise verantwortlich. Diese wird je nach Entfernungsklasse mit 15,53 bis 70,83 Euro pro Ticket berechnet und belastet die Kunden spürbar.
Die operativen Kosten im Luftverkehr sind in den letzten Jahren ebenfalls gestiegen. Mehrfache Erhöhungen der Luftverkehrsteuer, gestiegene Gehaltskosten und erhöhte Gebühren für Passagier- und Gepäckkontrollen tragen zu den hohen Preisen bei. Die Lufthansa-Gruppe, Deutschlands führende Fluggesellschaft, kämpft zudem mit einer um 20 Prozent geringeren Effizienz verglichen mit 2019.
Die Deutsche Luft- und Raumfahrtbehörde (DLR) hat eine signifikante Reduzierung der Flugziele ab deutschen Flughäfen festgestellt. Während das Sitzplatzangebot in Deutschland nur etwa 80 Prozent des Vor-Pandemie-Levels erreicht, fliegen Airlines wie Ryanair, Easyjet und Wizz Air vermehrt günstige Ziele in Italien, Spanien und Polen an. Eurowings, die Tochtergesellschaft der Lufthansa, profitiert als größter Direktflug-Anbieter in Deutschland, bietet jedoch im Schnitt um 43 Euro teurere Tickets als Ryanair an.
Langstreckenflüge sind für Lufthansa ebenfalls herausfordernd geworden. Der Konzern hat seine Gewinnerwartung für das laufende Jahr um ein Drittel gesenkt. Konkurrenzangebote wie British Airways und chinesische Airlines, die den russischen Luftraum nicht umfliegen müssen, setzen Lufthansa zusätzlich unter Druck.
Auch bei Pauschalreisen prognostiziert der Deutsche Reiseverband moderate Preisanstiege im einstelligen Prozentbereich. Zwar hat sich die Inflation abgeschwächt, sie bleibt jedoch ein Faktor bei der Preisgestaltung für Flüge und Hotelzimmer.