Zehntausende Pendler in Nordrhein-Westfalen müssen sich zu Wochenbeginn auf massive Beeinträchtigungen einstellen, da Verdi die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsbetriebe zu einem zweitägigen Arbeitskampf aufgerufen hat. Von dem Warnstreik sind zahlreiche Städte, darunter Köln, Düsseldorf, Dortmund und Münster, betroffen. Dies erfolgt vor dem Hintergrund stockender Tarifverhandlungen für die rund 30.000 Angestellten im öffentlichen Nahverkehr.
Unüberbrückbare Differenzen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern sind bisher das Ergebnis zweier Verhandlungsrunden. Verdi verlangt von den Arbeitgebern ein Angebot und intensiviert mit den geplanten Streiks den Druck auf die Verhandlungspartner. Heinz Rech, der die Verhandlungen für Verdi führt, macht deutlich, dass härtere Aktionen nicht ausgeschlossen sind, sofern keine Einigung am Verhandlungstisch erzielt wird. Andrea Becker aus dem Fachbereich Verkehr betont das Verständnis aus Teilen der Bevölkerung für die Streiks, räumt aber auch ein, dass diese Situation für viele als mühsam empfunden wird.
Die Forderungen von Verdi beinhalten unter anderem bessere Arbeitsbedingungen, die durch zusätzliche freie Tage die Attraktivität der Berufe steigern sollen. Eine hohe Krankheitsrate, Fachkräftemangel und fehlende Investitionen stehen ebenfalls als Argumente im Raum. Die bisherigen Warnstreiks, die Anfang Februar und Mitte Februar stattfanden, hatten bereits gravierende Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr - zahlreiche Bahnen und Busse standen still.
Der Freitag der aktuellen Woche bildet den Höhepunkt einer bundesweiten Warnstreikwelle, die Verdi gestartet hat, um verstärkt Finanzmittel für den öffentlichen Nahverkehr zu fordern. Dabei kooperierte Verdi auch mit der Fridays for Future Bewegung.
Während die meisten großen Nahverkehrsbetriebe von den Streikmaßnahmen erreicht wurden, bildeten Einrichtungen wie das Aachener Verkehrsunternehmen Aseag, die einem Haustarifvertrag unterliegen, eine Ausnahme. Der KAV NRW verweist im Kontext des Tarifkonflikts auf begrenzte finanzielle Ressourcen und hebt hervor, dass trotz Fahrermangels bereits vereinbarte Lohnerhöhungen umgesetzt worden seien. Die Gewährung zusätzlicher freier Tage könne das Personalproblem weiter verschärfen. Dennoch äußert sich der Arbeitgeberverband optimistisch, in der kommenden dritten Tarifverhandlungsrunde mit der Gewerkschaft eine umfassende Vereinbarung treffen zu können.