Die deutsche Wirtschaft, ohnehin in schwierigem Fahrwasser, sieht sich aufgrund aktueller Arbeitskämpfe im Bahn- und Luftverkehrssektor mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Das Kopfschütteln ist groß: In Zeiten, in denen jeder Impuls zählt, wirken Streiks wie eine zusätzliche Bremse. Dieses Bild zeichnet der anerkannte Wirtschaftsexperte Clemens Fuest, Präsident des Münchner ifo Instituts, und spricht von einer "zusätzlichen Belastung", die der angeschlagenen Konjunktur Deutschlands alles andere als zuträglich ist. Zu diesen Einsichten kam der Ökonom in einer frühmorgendlichen Stellungnahme im ZDF-Morgenmagazin.
Angesichts der Welle von Warnstreiks, die von der Bodencrew von Lufthansa und Sicherheitspersonals an verschiedenen Flughäfen ausgehen und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, welche ebenfalls zur Bestreikung der Deutschen Bahn aufgerufen hat, stehen Wirtschaftsteilnehmer vor erheblichen Logistikproblemen. Die Lahmlegung so lebenswichtiger Verkehrsadern wie der Schiene und der Luft bedeutet aus Fuests Sicht weit mehr als nur Unannehmlichkeiten: Produktlieferungen kommen ins Stocken, Geschäftsreisen werden zum Lotteriespiel, alltägliche Arbeitsabläufe geraten ins Wanken.
In dieser Gemengelage mahnt Fuest zu einem überlegten Umgang mit der Streiksituation. Kommt es aufgrund der jetzigen Lage zu Produktionsausfällen oder fruchten Geschäftstreffen nicht, weil die Teilnehmer auf offener Strecke verharren, muss die Verhältnismäßigkeit von Arbeitskämpfen neu gedacht werden. Der Wirtschaftsforscher plädiert für strengere Maßregeln im Kontext von Streikankündigungen, die beispielsweise durch ausgedehnte Vorwarnzeiten den betroffenen Unternehmen Planungssicherheit bieten könnten.
Der ifo-Präsident betont jedoch im gleichen Atemzug, dass die derzeitige Zuspitzung der Tarifkonflikte vor dem Hintergrund einer schrumpfenden Wirtschaft zu bewerten sei, in der Auseinandersetzungen um Ressourcen naturgemäß zunehmen: "Der Kuchen wird kleiner." Zugeständnisse sind schwerer zu erreichen, wenn gleichzeitig der verteilbare Reichtum schwindet. Trotzdem streicht Fuest die vergleichsweise moderate Streikkultur in Deutschland heraus und verweist dabei auf Frankreich, das eine deutlich höhere Anzahl von Streiktagen zu verzeichnen habe.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass die aktuellen Arbeitskämpfe die deutsche Wirtschaft weiter fordern, während auch die Tarifparteien auf harte Proben gestellt sind.