Knapp die Hälfte der tarifbeschäftigten Arbeitnehmer in Deutschland erhält in diesen Wochen Urlaubsgeld. Laut Statistischem Bundesamt beläuft sich der Anteil auf 46,8 Prozent, gegenüber dem Vorjahr unverändert. Im Durchschnitt erhalten die Beschäftigten eine Summe von 1644 Euro brutto, was eine Steigerung um 2,6 Prozent oder 42 Euro im Vergleich zum Vorjahr darstellt.
Interessanterweise stiegen parallel dazu die Preise für Pauschalreisen um 5,6 Prozent. Die tarifliche Sonderzahlung ist jedoch nicht zweckgebunden und muss nicht zwangsläufig für Urlaubsausgaben verwendet werden. Es wurde auch nicht erhoben, ob Beschäftigte ohne Tarifvertrag Urlaubsgeld erhielten.
In Westdeutschland profitieren Vollzeitbeschäftigte mit durchschnittlich 1692 Euro deutlich stärker als ihre Kollegen in Ostdeutschland, die 1196 Euro erhalten. Dies hängt oft mit den unterschiedlichen Lohnniveaus zusammen, da das Urlaubsgeld häufig als prozentualer Anteil eines Monatsgehalts festgelegt wird. Es gibt jedoch auch pauschale Festbeträge.
Besonders im Verarbeitenden Gewerbe sind die Zahlungen weit verbreitet: 96,9 Prozent der tarifgebundenen Arbeitnehmer erhalten dort durchschnittlich 2304 Euro. Im Baugewerbe (95 Prozent) und im Gastgewerbe sind die Sonderzahlungen ebenfalls häufig, fallen jedoch geringer aus.
Im Bereich Information und Kommunikation gibt es durchschnittlich 2722 Euro Urlaubsgeld, allerdings kommt nur knapp die Hälfte der Beschäftigten in den Genuss dieser Zahlungen. Hingegen erhalten Mitarbeitende in Zeitarbeitsfirmen das niedrigste Urlaubsgeld, im Schnitt nur 326 Euro.
Eine Besonderheit zeigt sich im Bereich der "Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung": Hier erhielten die Tarifbeschäftigten seit 2005 kein separates Urlaubsgeld mehr, da es mit dem Weihnachtsgeld zu einer einheitlichen Jahressonderzahlung zusammengefasst wurde.
Malte Lübker, Entgelt-Experte von der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung, erläutert, dass Tarifverträge oft vierstellige Urlaubsgelder garantieren. In der Privatwirtschaft erhalten 74 Prozent der Beschäftigten Urlaubsgeld, während dieser Anteil ohne Tarifverträg nur bei 36 Prozent liegt.