29. August, 2026

Wirtschaft

Spannungen in der Metall- und Elektroindustrie: IG Metall fordert 7 Prozent mehr Lohn

Spannungen in der Metall- und Elektroindustrie: IG Metall fordert 7 Prozent mehr Lohn

In der bevorstehenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie drohen harte Verhandlungen. Der Vorstand der IG Metall empfiehlt eine Lohnerhöhung von 7 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten. IG-Metall-Chefin Christiane Benner begründete die Forderung mit der anhaltend hohen finanziellen Belastung der Beschäftigten. Trotz sinkender Inflationsrate bleibt das Preisniveau hoch, so Benner. Auf Arbeitgeberseite stößt diese Forderung auf Widerstand. Der Präsident von Gesamtmetall, Stefan Wolf, betonte, die Branche befinde sich in der Rezession und könne sich keine solch hohen Steigerungen leisten. „Die Vorstellungen der IG Metall wirken, als ob wir uns in einem wirtschaftlichen Boom befinden“, kritisierte Wolf. Benner argumentiert jedoch, dass die Forderung verhältnismäßig und verantwortungsvoll sei, besonders angesichts der optimistischeren Konjunkturperspektiven im kommenden Jahr. Es gehe auch darum, den Beschäftigten den nötigen Respekt für ihre Leistungen zu zeigen. Die Forderung nach einer Nullrunde vor den Verhandlungen seien hingegen respektlos und heizten die Debatten nur unnötig an. Die Arbeitgeber argumentieren, dass die angespannte wirtschaftliche Lage in Deutschland keine großen Lohn- und Gehaltserhöhungen zulasse. So hätten die Arbeitgeber in Baden-Württemberg jüngst deutlich gemacht, dass sie eigentlich nur eine Nullrunde für angemessen hielten. Harald Marquardt, Verhandlungsführer von Südwestmetall, bezeichnete jede darüber hinausgehende Forderung als „reine Mitgliederwerbung“. Wolf betonte, dass es jetzt darauf ankomme, den Standort zu stärken und hoffe, dass die Gremien der IG Metall zu einer realistischeren Einschätzung kämen. Der Arbeitgeberverband rechnet im laufenden Jahr mit einem Produktionsrückgang von mehr als 3 Prozent in der Metall- und Elektroindustrie. Die letztendliche Forderungssumme wird der IG Metall-Vorstand nach Diskussionen in den regionalen Tarifkommissionen im Juli entscheiden. Die Entgelttarifverträge laufen zum 30. September aus, die ersten Verhandlungen sollen bis Mitte September stattfinden. Ab dem 29. Oktober wären dann Warnstreiks möglich. Laut der Hans-Böckler-Stiftung sind die Reallöhne der Tarifbeschäftigten in Deutschland wegen der starken Inflation auf das Niveau von 2016 zurückgefallen. Besonders in den Jahren 2021 und 2022 kam es zu drastischen Reallohnverlusten. Um diese auszugleichen, sind laut Thorsten Schulten vom WSI-Tarifarchiv kräftige Reallohnsteigerungen notwendig. In einer Umfrage der IG Metall äußerten 59 Prozent der rund 318.000 Befragten, dass ihnen der Ausgleich gestiegener Kosten besonders wichtig sei. Weitere 15 Prozent legten Wert auf die Stärkung ihrer Kaufkraft. Besonders stark sollen die Ausbildungsvergütungen steigen. Mit einem geplanten Zuschlag von 170 Euro möchte die IG Metall hier einen überproportionalen Anstieg erzielen. Ziel ist es auch, die unteren Einkommensgruppen mit einer sozialen Komponente besser zu stellen. Zusätzlich strebt die IG Metall Erweiterungen bei der tariflichen Freistellungszeit an. Bisher können Beschäftigte mit Kindern, Pflegeaufgaben oder in Schichtarbeit bis zu acht zusätzliche freie Tage beantragen, dies soll auf weitere Beschäftigte ausgeweitet werden. Eine solche Ausweitung könnte auch gesellschaftliches Engagement fördern, so Tarif-Vorständin Nadine Boguslawski.