Die steigenden Spannungen im Nahen Osten treiben den Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi, an, sich für mehr Einsicht in das iranische Atomprogramm einzusetzen. Grossi erklärte im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur auf der Klimakonferenz in Aserbaidschan, dass der Iran zur Kooperation bewegt werden müsse, um die erforderliche Transparenz zu erreichen. Obwohl Inspektionen stattfinden, seien die Möglichkeiten der IAEA vor Ort begrenzt.
Am kommenden Donnerstag plant Grossi, nach Teheran zu reisen, um dort entscheidende Gespräche mit Präsident Massud Peseschkian, Außenminister Abbas Araghtschi und Vertretern der iranischen Atomindustrie zu führen. Grossi betonte, dass der Verlust der Kontrollmöglichkeiten über einige wichtige Anlagen im Iran eine besorgniserregende Entwicklung sei. Er warnt davor, sich einer Illusion der Sicherheit hinzugeben, solange die administrativen Berichte keinen vollständigen Einblick gewähren.
Zur Erinnerung: Vor der Aussetzung des Atomabkommens zwischen Iran und sechs weiteren Staaten besaß die IAEA umfassendere Zugriffsrechte. Der Iran befinde sich gefährlich nahe an der Entwicklung von Atomwaffen, obwohl noch keine Bombe gebaut worden sei, betonte Grossi, und hob die Brisanz der Lage hervor. Die Möglichkeit eines Konflikts steigere sich schon allein durch die Wahrnehmung einer atomaren Bedrohung aus dem Iran. Inspektionsstopp bedeute eine Eskalation der Sorgen.
Zusätzlich heizt eine Äußerung des neuen israelischen Verteidigungsministers Israel Katz die Situation an. Er schlug kürzlich vor, militärische Maßnahmen gegen Irans nukleare Einrichtungen zu erwägen, da Israel dem Iran vorwirft, nukleare Ambitionen zu verfolgen. Der Iran weist dies entschieden zurück und erkennt Israels Existenzrecht nicht an.