Der Diagnostikspezialist und Laborzulieferer Qiagen hat ehrgeizige Pläne für die kommenden Jahre vorgestellt. Im Rahmen eines Kapitalmarkttages kündigte der DAX-Konzern an, bis 2028 ein jährliches Wachstum von durchschnittlich sieben Prozent bei konstanten Wechselkursen anzustreben. Unternehmenschef Thierry Bernard betonte, den Fokus verstärkt auf eine Gruppe von Wachstumsträgern zu legen. Zusätzlich sollen von 2024 bis 2028 mindestens eine Milliarde US-Dollar an die Aktionäre zurückgeführt werden. Diese Nachrichten ließen den Aktienkurs am Nachmittag nach anfänglichen Verlusten um etwa 1,6 Prozent auf 40,35 Euro steigen.
Qiagen plant, mit seinen fünf Hauptwachstumsträgern bis 2028 einen jährlichen Umsatz von mindestens zwei Milliarden Dollar zu erreichen. Derzeit tragen diese Bereiche etwa zwei Drittel zum Konzernumsatz bei, ein Anteil, der laut Finanzchef Roland Sackers auf ungefähr 75 Prozent ansteigen soll. Hierzu sollen Forschung und Vertrieb ausgebaut und die Mitarbeitendenzahl erhöht werden. Jährlich will das Unternehmen rund 200 Millionen US-Dollar in Forschung investieren, flankiert von einem dreistelligen Millionenbetrag in weitere Investitionen.
Ende März beschäftigte Qiagen weltweit mehr als 5900 Mitarbeitende an über 35 Standorten. Wachstumstreiber sind unter anderem der Tuberkulosetest Quantiferon und das Geschäft mit der Bioinformatik. Roland Sackers erklärte zudem, dass etwa die Hälfte der Umsätze in den USA generiert werden, ein Drittel in Europa und 20 Prozent in anderen Märkten, vornehmlich Asien. Das Management erwartet, dass sich das Wachstum in Europa dem der USA angleichen wird, bedingt durch überalternde Gesellschaften, steigende chronische Erkrankungen und zunehmende Infektionserkrankungen. Die Rolle der Diagnostik in der Bekämpfung dieser Gesundheitsprobleme sei entscheidend.
Im vergangenen Jahr hatte Qiagen mit einem deutlichen Rückgang der Nachfrage nach Corona-Tests und einer Flaute in der Biotech-Industrie zu kämpfen. 2023 fiel der Jahresumsatz trotz eines starken Schlussquartals um acht Prozent auf rund 1,97 Milliarden Dollar (1,84 Mrd Euro). Zudem belasteten das schwache Geschäft in China und eine allgemeine Nachfrageflaute die Ergebnisse. Die bereinigte operative Gewinnmarge lag bei knapp 27 Prozent.
Qiagen plant, die bereinigte operative Gewinnmarge bis 2028 auf mindestens 31 Prozent zu steigern, wobei Währungseffekte ausgeklammert werden. Erst kürzlich stoppte das Unternehmen sein PCR-Testsystem Neumodx aufgrund veränderter Kundenbedürfnisse nach der Corona-Pandemie, was sich positiv auf die Profitabilität im Geschäftsjahr 2024 auswirken soll.
Bereits Anfang des Jahres führte Qiagen etwa 300 Millionen Dollar (280 Mio Euro) an seine Aktionäre zurück, im Rahmen eines sogenannten synthetischen Aktienrückkaufs. Bei der nächsten Hauptversammlung soll ein weiteres Rückkaufprogramm genehmigt werden, das in einem ähnlichen finanziellen Rahmen liegt. Derzeit sind rund 230 Millionen Aktien im Umlauf. Nach den geplanten Rückkäufen im Wert von einer Milliarde Dollar sollen es noch 210 bis 215 Millionen Aktien sein, abhängig von der Kursentwicklung.