Ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte des deutschen Onlinehandels scheint aufgeschlagen zu werden. Wie der Handelsverband Deutschland jüngst berichtete, ist das gewaltige Wachstum, das die Branche während der Corona-Jahre erlebte, einer Stagnation gewichen. Noch immer wählen viele Konsumenten für ihre Shopping-Ausflüge den digitalen Weg, doch die Zeit der sprunghaften Umsatzzuwächse scheint vorbei zu sein. Mit einem leichten Anstieg von lediglich knapp einem Prozent im letzten Jahr, auf 85,4 Milliarden Euro Gesamtumsatz, distanziert sich der Onlinehandel deutlich von der fulminanten Wachstumsrate von fast 25 Prozent in den Pandemiejahren.
Diese Entwicklung markiert eine Phase der Konsolidierung des Onlinehandels, der seither auf einem hohen Niveau oszilliert. Im spezifischen Bereich des Nicht-Lebensmitteleinzelhandels musste der Onlinehandel sogar einen leichten Rückgang um 0,2 Prozentpunkte hinnehmen und kommt jetzt auf einen Umsatzanteil von 18,5 Prozent.
Die Zeiten, in denen der Onlinehandel als Hauptantrieb für die Umsätze im deutschen Einzelhandel galt, sind laut dem HDE vorbei. Stephan Tromp, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Verbands, spricht von einer "weiteren Normalisierung" der Online-Umsätze. Die einst hochgesetzte Messlatte der Branche scheint nun auf einem Plateau angekommen zu sein – eine Herausforderung für die Zukunft.
Doch nicht nur in den Umsatzzahlen zeigt sich die Stagnation. Auch der Anteil der Händler, die ihre Produkte online anbieten, verharrt auf gleichbleibendem Level. Rund 41 Prozent der stationären Händler nutzten im letzten Jahr das Internet für den Vertrieb ihrer Waren, wobei knapp zwei Drittel von ihnen auf eigene Onlineshops setzen, während der Rest seine Produkte über etablierte Handelsplattformen wie Amazon und Zalando veräußert.