Der renommierte US-Sportartikelhersteller Nike steht vor einem schwierigen Geschäftsjahr und rechnet nicht mit einer baldigen Trendwende beim schwächelnden Umsatz. Nach Vorlage der aktuellen Jahreszahlen teilte das Unternehmen mit, dass im neuen Geschäftsjahr bis Ende Mai ein Rückgang der Erlöse im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet werde. Besonders im ersten Halbjahr sollen die Einnahmen im hohen einstelligen Prozentbereich und im ersten Geschäftsquartal um zehn Prozent sinken. Diese Aussicht ließ die Aktien nach US-Börsenschluss um mehr als 12 Prozent abstürzen.
Die negative Entwicklung setzte sich damit auch im nachbörslichen Aktienhandel fort. Seit einem Jahr hat Nike bereits ein Sechstel seines Börsenwertes verloren. Ähnlich gerieten am Freitag auch die Aktien der Konkurrenten Adidas und Puma unter Druck.
Bereits vor einigen Monaten hatte Nike vor einem schwachen Start in das neue Geschäftsjahr gewarnt, anfangs jedoch noch ein bescheidenes Umsatzwachstum für das Gesamtjahr prognostiziert. Analysten hatten durchschnittlich ein Plus von zwei Prozent erwartet. Die jetzige Prognose enttäuschte somit erheblich. So kommentierte RBC-Analyst Piral Dadhania, dass das neue Geschäftsjahr vermutlich lediglich ein Übergangsjahr sein würde. Auch Brooke Roach von Goldman Sachs sprach von enttäuschenden Nachrichten.
Schon in den vorangegangenen Quartalen hatte Nike mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. Finanzchef Matthew Friend nannte mehrere Gründe für diese Entwicklung: Eine Anpassung des Produktangebots, weniger neue Produkte und Werbe-Aktionen im ersten Halbjahr sowie ein langsameres Wachstum des Onlinegeschäfts. Hinzu kommen höhere konjunkturelle Unsicherheiten, insbesondere mit Blick auf China, sowie ein schwieriges Konsumklima in Europa, Afrika und dem Nahen Osten. Zudem erwartet Friend stärkeren Gegenwind durch ungünstige Wechselkurseffekte.
Im letzten Geschäftsquartal sanken die Erlöse um etwa zwei Prozent auf 12,6 Milliarden US-Dollar. Ohne Währungseffekte wären die Einnahmen jedoch stabil geblieben. Interessanterweise stieg der Gewinn um 45 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar, was auf Kosteneinsparungen in der Verwaltung und geringere Steuerzahlungen zurückzuführen war. Experten hatten beim Umsatz mehr und beim Gewinn weniger erwartet.
Nike hatte außerdem eine sieben Prozent höhere Dividende ausgeschüttet und sein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm fortgesetzt. Schon im Dezember hatte das Unternehmen ein Sparprogramm angekündigt, um die schwächere Umsatzentwicklung abzufangen.