29. August, 2026

Wirtschaft

Meyer Werft: Niedersachsens Politik signalisiert Unterstützung

Meyer Werft: Niedersachsens Politik signalisiert Unterstützung

Die finanziell angeschlagene Meyer Werft kann auf Rückendeckung aus der niedersächsischen Landespolitik zählen. Bei einem Krisentreffen am Mittwochabend signalisierten Minister und Abgeordnete von SPD, CDU und Grünen, sich gemeinsam mit der Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsführung für die Rettung des Unternehmens einzusetzen.

Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) betonte den gemeinsamen Kampf um einen Neustart für die Werft. Allerdings könne Niedersachsen die Herausforderungen nicht allein bewältigen, wie Finanzminister Gerald Heere (Grüne) erläuterte. Er rief den Bund und die Unternehmensführung dazu auf, eine zukunftsfähige Konzernstruktur und notwendige Unterstützung zu gewährleisten. CDU-Fraktionsvize Ulf Thiele machte deutlich, dass eine sichere Zukunft der Werft ohne zeitweise staatliche Hilfe nicht möglich sei, da sie von essenzieller Bedeutung für den deutschen Schiffbau und die wirtschaftliche Entwicklung der Emsregion sei.

Die Meyer Werft steht vor einer massiven Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro, bedingt durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie und Preissteigerungen infolge des Ukraine-Kriegs. Die Verträge für neue Kreuzfahrtschiffe waren bereits vor der Pandemie abgeschlossen worden und berücksichtigen nicht die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise. Zudem erhält die Werft rund 80 Prozent des Kaufpreises erst bei der Ablieferung der Schiffe und muss die Baukosten durch Kredite vorfinanzieren. Nach Informationen der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" drängt die Zeit: Eine Umschuldung von Krediten steht im September an. Die Diskussion dreht sich um eine Erhöhung des Eigenkapitals sowie Kreditbürgschaften.

Betriebsratschef Andreas Hensen appellierte an die Beteiligten, schnelle Entscheidungen zu treffen und keine monatelangen Verhandlungsrunden zu führen. Rund 7.000 Menschen arbeiten für die Meyer Gruppe, davon etwa 3.000 in Papenburg. Bereits im Frühjahr hatte der Sanierungsexperte Ralf Schmitz, Mitglied der Geschäftsführung, angekündigt, 440 Stellen in Papenburg streichen zu wollen. Diese Sparmaßnahme stieß auf Widerstand seitens des Betriebsrats, der IG Metall und der Landesregierung. Dennoch hob Schmitz die konstruktive Zusammenarbeit beim Krisentreffen hervor.

In den Tagen vor dem Gipfel hatte Wirtschaftsminister Olaf Lies deutlich gemacht, dass die Werft als internationaler Konzern entsprechende Strukturen brauche, einschließlich eines mitbestimmenden Aufsichtsrates. Für Unmut sorgte zudem der Unternehmenssitz in Luxemburg. Lies forderte die Verlegung des Sitzes nach Deutschland, um geeignete Strukturen zu schaffen. Die Entscheidung für Luxemburg war 2015 getroffen worden, um flexibel und zügig über neue Aufträge verhandeln zu können.

In Papenburg herrscht große Sorge um das wirtschaftliche Aushängeschild. Bürgermeisterin Vanessa Gattung (SPD) unterstrich in einer schriftlichen Mitteilung gegenüber der "Neuen Osnabrücker Zeitung" die enorme Bedeutung der Werft für die Region und die damit verbundene Verunsicherung der Bevölkerung.