30. August, 2026

Wirtschaft

Lieferkettengesetz bedroht kleinbäuerliche Tee-Produktion

Lieferkettengesetz bedroht kleinbäuerliche Tee-Produktion

Der Deutsche Tee & Kräutertee Verband signalisiert Alarmstufe Rot in Hinblick auf die EU-weite Umsetzung des neuen Lieferkettengesetzes. Annemarie Leniger, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Verbandes, sprach mit Nachdruck von einer potenziellen Marginalisierung schwächster Glieder in der globalen Zulieferkette, insbesondere der Kleinbauern. Bei diesen stammen zwei Drittel der Tee-Rohware aus Wildsammlungen, doch das neue Gesetz setzt Nachweise voraus, die diese Kleinproduzenten kaum erbringen können. Folglich droht deutschen Teeunternehmen der Rückzug aus diesen Geschäftsbeziehungen, um Haftungsrisiken zu umgehen.

Die Verbandsspitze plädiert dafür, die Komplexität und die Herausforderungen spezieller Lieferketten im Gesetzesrahmen zu berücksichtigen, um Nachhaltigkeit in der Lieferkette wirklich zu fördern. Der internationale Tag des Tees, der dieses Jahr unter dem Zeichen der globalen Vereinigung durch Tee steht, findet vor diesem Hintergrund besondere Aufmerksamkeit.

Entwicklungshilfeorganisation Oxfam hingegen wiegt Bedenken gering und verweist darauf, dass die Nachweispflicht bei den Unternehmen selbst liegt und dass diese sich durch nachhaltige Handelsinitiativen die erforderlichen Belege beschaffen können. Des Weiteren betont Franziska Humbert von Oxfam Deutschland, dass das Gesetz ausdrücklich den Support kleiner und mittelständischer Partner durch große Unternehmen vorsieht.

Im Fokus des EU-Lieferkettengesetzes steht die Stärkung von Menschenrechten und die Gewährleistung von rechtlicher Verantwortung großer Unternehmen bei Menschenrechtsverletzungen. Zudem verlangt das Gesetz Nachweise darüber, inwiefern sich Unternehmen mit dem Ziel der Beschränkung der globalen Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius identifizieren.

Der Konsum von Tee in Deutschland, wie der jüngste Report des Verbandes aufzeigt, liegt bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 69,1 Litern je Einwohner. Vor allem die Ostfriesen, die pro Jahr stolze 300 Liter Tee trinken, übertreffen damit sogar die britischen Tee-Liebhaber um ein Vielfaches.