01. September, 2026

Wirtschaft

Lanxess kündigt Milliardenabschreibungen an: Aktionäre zeigen sich besorgt

Lanxess kündigt Milliardenabschreibungen an: Aktionäre zeigen sich besorgt

Der Spezialchemiekonzern Lanxess sieht sich gezwungen, tief in die Bilanz zu greifen und Abschreibungen in beträchtlicher Höhe zu tätigen. Infolge unerwartet schleppender Nachfrage für die kommenden zwei Jahre, werden für die Sparten Flavors & Fragrances und Polymer Additives erhebliche Wertminderungen von 413 Millionen Euro verbucht. Dies teilte das im MDax gelistete Unternehmen am Dienstag mit. Ebenso steht eine deutliche Wertminderung für das Joint Venture Envalior an, dessen Betrag im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich zu erwarten ist. In der Konsequenz wird für das laufende Geschäftsjahr ein beträchtlicher Verlust prognostiziert.

Die Reaktion der Investoren ließ nicht auf sich warten. Lanxess-Aktien verzeichneten einen Rückgang um drei Prozent auf 23,30 Euro. Damit erfuhr die Aktie seit Jahresbeginn einen kumulierten Verlust von 18 Prozent.

Analyst Chris Counihan von Jefferies führt die Wertberichtigungen im Bereich Flavors & Fragrances hauptsächlich auf die Akquisition von Emerald Kalama Chemical im Jahr 2021 zurück. Für den Erwerb des Herstellers, der in den Marktsegmenten Aroma- und Duftstoffe, Lebensmittelkonservierungsmittel sowie Reinigungs- und Kosmetikprodukte aktiv ist, investierte Lanxess annähernd eine Milliarde Euro.

Chetan Udeshi von JPMorgan deutet darüber hinaus darauf hin, dass die genannten Wertminderungen auch Ausdruck für eine möglicherweise verhaltene Geschäftsentwicklung zu Jahresbeginn sein könnten, insbesondere in den Bereichen Flavors & Fragrances und Polymer Additives. Letzterer Geschäftsbereich bietet Produkte wie Flammschutzmittel und Weichmacher an und liefert Lösungen in der Wasseraufbereitung.

Die Wertminderungen könnten laut Udeshi zudem die Bedenken der Anleger in Bezug auf die im Verhältnis zum operativen Ertrag relativ hohe Verschuldung des Konzerns und des Joint Ventures Envalior weiter schüren.

Die Kölner verschmolzen im Frühjahr 2023 ihr Geschäft mit Hochleistungskunststoffen für die Auto- und Elektrobranche mit dem Geschäftsbereich Engineering Materials des niederländischen Unternehmens Royal DSM in das neu gebildete Unternehmen Envalior. Durch diesen Schritt, der mit einer Mehrheitsübernahme durch den Finanzinvestor Advent einherging, zielte Lanxess darauf ab, die zyklischen Schwankungen durch eine reduzierte Abhängigkeit von der Automobilbranche zu minimieren.

Die Wertminderungen wirken sich zwar nicht auf die Liquidität von Lanxess aus, beeinträchtigen jedoch das operative Ergebnis. Lanxess bleibt optimistisch, das von Analysten prognostizierte bereinigte Ebitda von 510 Millionen Euro in etwa zu erreichen, trotz Zeichen, die auf ein Ergebnis am unteren Rand der Zielspanne von 500 bis 550 Millionen Euro hindeuten. Das finale operative Ergebnis wird mit der Bilanzvorlage am 14. März erwartet.