29. August, 2026

Wirtschaft

Kindergrundsicherung auf dem Prüfstand: Armut unter Alleinerziehenden bleibt drängendes Problem

Kindergrundsicherung auf dem Prüfstand: Armut unter Alleinerziehenden bleibt drängendes Problem

Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung beleuchtet erneut die anhaltende Armut unter alleinerziehenden Familien in Deutschland und ruft zur Nachbesserung der geplanten Kindergrundsicherung auf. Laut der Studienergebnisse waren im vergangenen Jahr 41 Prozent der rund 1,7 Millionen Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern einkommensarm. Im Vergleich dazu gelten bei Paar-Familien nur zwischen acht Prozent (bei einem Kind) und 30 Prozent (bei drei oder mehr minderjährigen Kindern) als armutsgefährdet.

Die Prekarität betrifft besonders alleinerziehende Mütter, die 82 Prozent der Ein-Eltern-Familien ausmachen, während alleinerziehende Väter mit 18 Prozent deutlich in der Minderheit sind. Trotz punktueller Erleichterungen hat sich an der prekären Lage dieser Familien in den vergangenen Jahren kaum etwas verändert, wie die Studienautorinnen betonen. Personen, die über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügen, werden als relativ einkommensarm eingestuft.

Ein leichter Anstieg der Zahl der Ein-Eltern-Familien seit 2019 auf nunmehr rund 1,7 Millionen wird unter anderem auf Geflüchtete aus der Ukraine zurückgeführt. Dabei sind regionale Unterschiede zu verzeichnen: Während der Anteil Alleinerziehender in Bayern bei 16,5 Prozent liegt, beträgt er in Berlin 27,5 Prozent.

Hinsichtlich der Kinder, die in Familien mit Bürgergeldbezug aufwachsen, zeigt sich, dass fast die Hälfte in Haushalten mit nur einem Elternteil lebt. Besonders kritisch ist die Lage in Bremen, wo 55 Prozent der alleinerziehenden Haushalte Bürgergeld beziehen, während dieser Anteil in Thüringen bei vergleichsweise niedrigen 27 Prozent liegt.

Die Bertelsmann Stiftung kritisiert die geplante Kindergrundsicherung als unzureichend im Kampf gegen Armut. Während sie für einige alleinerziehende Familien Verbesserungen bringen wird, könnte sie für andere zu Verschlechterungen führen. Der Gesetzentwurf zur Kindergrundsicherung, der seit Monaten im parlamentarischen Verfahren in Berlin feststeckt, bedarf aus Sicht der Stiftung dringender Nachbesserungen.