28. August, 2026

Technologie

Jungfernflug der Ariane 6: Europas neue Hoffnungsträgerin im All

Jungfernflug der Ariane 6: Europas neue Hoffnungsträgerin im All

Der Jungfernflug der Ariane 6, Europas neuester Rakete, wird trotz kleinerer Rückschläge als Erfolg gewertet. Zwar funktionierte die erneute Zündung eines Triebwerks im Flug nicht wie geplant, dennoch eröffnet die Rakete Europa wieder die Möglichkeit, Satelliten und Raumsonden eigenständig ins All zu befördern. Der Start erfolgte am Dienstagabend vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana, und zog zahlreiche Raumfahrt-Enthusiasten in seinen Bann.

Nach gut einer Stunde verkündete die europäische Raumfahrtbehörde Esa den Erfolg des Flugs: Zahlreiche Satelliten wurden wie vorgesehen ausgesetzt. Ein technischer Fehler verhinderte jedoch das planmäßige Verglühen eines oberen Raketenteils, das nun im All verbleibt. Auch zwei Raumkapseln, die ursprünglich wieder in die Erdatmosphäre eintreten sollten, blieben an Bord.

Trotzdem betont der Raumfahrt-Experte Martin Tajmar von der TU Dresden, dass der Flug als "großer Erfolg" zu werten sei. 15 der 17 Nutzlasten wurden an die richtigen Positionen im All gebracht. Der Professor für Raumfahrtsysteme verweist darauf, dass auf der Erde manche Tests aufgrund der Schwerkraft nicht vollständig simuliert werden können.

Professorin Chiara Manfletti von der TU München schätzt die Mission ebenfalls als sehr erfolgreich ein und hebt hervor, dass beim Erstflug nahezu alles reibungslos verlief. Auch Esa-Chef Josef Aschbacher sprach von einem historischen Tag und feierte den Flug der 56 Meter hohen, 540 Tonnen schweren Rakete.

Für Europa steht viel auf dem Spiel, seit die Vorgängerin Ariane 5 vor einem Jahr ihren letzten Start hatte. Nun sichert die Ariane 6 wieder einen autonomen Zugang zum All. Esa musste zuletzt auf Falcon-9-Raketen von SpaceX ausweichen, nachdem der Erststart der Vega C missglückt war.

Die Ariane 6 präsentiert sich jedoch als flexibler und kosteneffizienter als ihre Vorgängerin und kann je nach Mission verschiedene Nutzlasten transportieren. Das Mehrfachzünd-Triebwerk Vinci, entwickelt in Deutschland, stellt hierbei eine wesentliche Innovation dar.

Obwohl Raumfahrtexperten wie Tajmar die Rakete im Vergleich zu wiederverwendbaren Modellen von SpaceX als veraltet betrachten, plant Esa, die Ariane 6 bis Mitte der 2030er Jahre zu nutzen. Eine wiederverwendbare Nachfolgerinnen-Rakete steht bereits in Aussicht, jedoch dauern die Entscheidungsprozesse bei Esa länger als bei privaten Unternehmen.

Deutschland spielte eine zentrale Rolle bei der Entwicklung der Rakete. Ambitioniert schaut die europäische Raumfahrt nun in die Zukunft: Ein weiterer Flug der Ariane 6 ist bereits für Ende des Jahres geplant.