19. August, 2026

Wirtschaft

Investitionsflaute in Deutschland: Internationale Projekte sinken auf Tiefstand

Investitionsflaute in Deutschland: Internationale Projekte sinken auf Tiefstand

Der Zustrom internationaler Investitionen nach Deutschland verliert weiter an Fahrt – mit nachdenklichen Signalen für Europas größte Volkswirtschaft. Eine aktuelle Analyse von EY offenbart, dass ausländische Unternehmen im Jahr 2023 lediglich 733 Investitionsprojekte in Deutschland annonciert haben, was einem merklichen Rückgang von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Entwicklung markiert den niedrigsten Stand seit dem Jahr 2013 und setzt einen Trend fort, der nunmehr im sechsten Jahr anhält.

Trotz des Rückgangs hält Deutschland in Europa noch die Bronze-Position, doch der Vorsprung von Spitzenreiter Frankreich, das 1194 Vorhaben zu verbuchen hat, wächst beständig. Großbritannien, außerhalb der EU, konnte seine Projekteanzahl um sechs Prozent auf 985 steigern, während Deutschland weit von seinem Hoch aus dem Jahr 2017 mit 1124 Projekten entfernt scheint. Vor der Corona-bedingten Krise waren es immer noch 971. Eine Betrachtung des Investitionsvolumens blieb in der EY-Studie, die seit 2006 regelmäßig durchgeführt wird, ausgespart.

Henrik Ahlers, der Vorsitzende der EY-Geschäftsführung, läutet die Alarmglocken und betont die Dramatik der Situation: Deutschland fällt zurück, während andere europäische Länder eine deutlich stärkere Dynamik zeigen. Seit dem Höhepunkt im Jahr 2017 ist die Zahl der Investitionsankündigungen in Deutschland um 35 Prozent gesunken – Frankreich hingegen kann auf eine Zunahme von 20 Prozent stolz sein.

Ahlers führt die stagnierende Attraktivität Deutschlands auf mehrere Faktoren zurück: hohe Steuern, Arbeitskosten und Energiepreise sowie eine ausgeprägte Bürokratie werden als Bremsklötze identifiziert. Diese Konstellation führe dazu, dass sowohl die Investitionstätigkeit als auch die allgemeine Wirtschaftsstimmung im Keller liegen und sich die Konjunktur schwächer entwickle als in anderen Industrieländern.

Europaweit gesehen schwächeln die Investitionsankündigungen ebenfalls, allerdings mit einem Minus von vier Prozent auf 5694 Projekte nicht so stark wie in Deutschland. Herausragende Zuwächse verzeichnen Länder wie die Türkei und die Schweiz mit Zuwachsraten von 17 beziehungsweise 53 Prozent. Das europäische Niveau vor der Pandemie wird dennoch verpasst, die Projekte liegen elf Prozent unter dem Vergleichswert von 2019.

Die USA bleiben zwar die Hauptinvestoren in Europa und im speziellen Deutschland, jedoch zeigt sich auch hier ein Rückgang. Während europaweit 15 Prozent weniger Projekte von US-Investoren gemeldet wurden, sind es in Deutschland sogar 22 Prozent. Als Ursache benennt Ahlers die umfangreichen Subventionsprogramme in den USA, welche die inländische Investitionstätigkeit befeuern.

Ahlers sieht in der Wiederherstellung des Vertrauens amerikanischer Investoren eine prioritäre Aufgabe, mahnt aber, dass ein Subventionswettlauf nicht die Lösung sein könne. Stattdessen müsse Deutschland an einer Verbesserung der Rahmenbedingungen arbeiten. Allerdings gibt er sich zurückhaltend hinsichtlich eines schnellen Wandels, da er strukturelle Probleme als Ursache ausmacht und für hält eine echte Steuerreform sowie den Abbau von Regulierungen für essentiell.