31. August, 2026

Wirtschaft

Großaktionär Forciert Wandel bei Flatexdegiro

Großaktionär Forciert Wandel bei Flatexdegiro

Im Hause Flatexdegiro sorgt die anstehende Hauptversammlung am 4. Juni für Unruhe. Bernd Förtsch, ein wesentlicher Großaktionär des Online-Brokers, signalisierte den Wunsch nach einer aktiveren Rolle und strebt einen Sitz im Aufsichtsrat an. Dies geht aus einer Unternehmensmitteilung hervor, die nach Börsenschluss am Freitag veröffentlicht wurde. Förtsch hat über seine Gesellschaft für Börsenkommunikation einen Antrag auf Erweiterung der Tagesordnug eingereicht. Sein Ziel ist es, Herbert Seuling, der aus persönlichen Gründen kürzlich seinen Rücktritt erklärte, im Aufsichtsgremium zu ersetzen. Zusätzlich zu diesem strategischen Schachzug plant Förtsch eine Revision der Führungsriege, die den amtierenden Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Martin Korbmacher, abberufen und stattdessen Axel Hörger ins Boot holen soll. Hörger wird als unabhängiges Mitglied und nicht GfBk-affiliert beschrieben. Hinzu kommt der kürzlich angekündigte Rückzug von Frank Niehage, Vorstandschef von Flatexdegiro, der zum 30. April wirksam wird. Die Trennung wurde mit unterschiedlichen Ansichten bezüglich der zukünftigen Unternehmensausrichtung sowie dem Unternehmenswohl begründet. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers werden die operativen Geschäfte von zwei Vorstandskollegen interimistisch geleitet. Niehage sah sich längerer Zeit mit Kritik konfrontiert, insbesondere als das Handelsvolumen der Kleinanleger nach Pandemie-Hochs aufgrund von Inflation, steigenden Zinsen und geopolitischen Spannungen spürbar nachließ. Darüber hinaus kritisierte die Finanzaufsicht Bafin in einer Sonderprüfung im Jahr 2022 Defizite und verlangte eine Erhöhung der Kapitalreserven des Brokers. Förtsch, der Flatexdegiro's Vorgängerunternehmen vor 25 Jahren gründete und direkt sowie indirekt noch immer fast ein Fünftel der Aktien besitzt, äußerte sich zuletzt kritisch über die Firmenleitung in einem Interview. Er monierte den Wertverfall der Aktie, die geringe Marktkapitalisierung von rund einer Milliarde Euro und verglich Flatexdegiro ungünstig mit den Wettbewerbern Swissquote und Trade Republic, denen ein vierfach höherer Börsenwert attestiert wird. Marktverständnis, innovative Produkte und eine klare Gebührenstruktur seien nicht mehr gegeben. Außerdem sei das Potential von Kryptowährungen wie Bitcoin verkannt worden.