Der Abklang des globalen Inflation-Schocks eröffnet den Weg für eine Abkehr von hohen Zinsen hin zu niedrigeren Leitzinsen, während sich die Weltwirtschaft auf ein neues Jahr voller Unsicherheiten vorbereitet. Nachdem die US-Notenbank (Fed) ihre erste Zinssenkung seit Jahren vorgenommen hat, verschieben sich die Sorgen zunehmend von Inflation hin zu Wachstum.
Laut Bloomberg Economics zeigt der Aggregatindex für die Kreditkosten in fortgeschrittenen Volkswirtschaften einen Rückgang um fast 40 Basispunkte bis Ende des Jahres sowie eine weitere Abnahme von über dem Doppelten dieser Menge bis Ende 2025.
Die Fed leitet die globale Bewegung zur Lockerung der Geldpolitik, jedoch wird erwartet, dass die meisten anderen G7-Länder ebenfalls folgen werden. Selbst zögerliche Länder wie Norwegen und Australien könnten sich bald anschließen. Wichtige Ungewissheiten, wie die bevorstehende US-Wahl im November, beeinflussen allerdings den Ausblick stark.
Aus einer Gruppe von 23 untersuchten Institutionen wird lediglich erwartet, dass drei ihre Zinssätze in den kommenden drei Monaten unverändert lassen. Doch bis Ende 2025 wird bei allen eine Veränderung prognostiziert. Einige Länder könnten diese Phase der Lockerung durch eine Straffung ihrer Geldpolitik übergehen – wie Japan und Brasilien.
Bloomberg Economics prognostiziert, dass die Fed bis Ende des Jahres die Zinsen um weitere 50 Basispunkte senkt und bis 2025 um insgesamt 100 Basispunkte. Gleichzeitig zeigt sich die US-Wirtschaftslage gespalten, mit einer großen Minderheit der Fed-Politiker, die geringere Zinssenkungen in 2024 sehen.
Angesichts eines geringeren Inflationsdrucks und eines abnehmenden Wirtschaftswachstums wird auch in der Eurozone eine weitere Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Oktober erwartet, gefolgt von einer weiteren im Dezember. Grund zur Vorsicht bieten allerdings weiterhin steigende Löhne und anhaltende Unsicherheiten.
Der Verlauf der Zinsentwicklung in Japan bleibt ungewiss, mit der Bank of Japan (BOJ), die eine Zinserhöhung im Dezember nicht ausschließt. Brasiliens Zentralbank plant indes eine Verlängerung ihrer Straffungskampagne ins nächste Jahr hinein.
Zusammenfassend richten sich die Blicke der Investoren auf die globalen Zentralbanken, die je nach regionaler Wirtschaftslage und -prognose zwischen Zinssteigerungen und -senkungen abwägen. Dennoch bleibt die Unsicherheit groß, da politische und wirtschaftliche Entwicklungen in den größten Volkswirtschaften der Welt die Zukunft prägen werden.