08. Februar, 2026

Wirtschaft

Fragmentierungsrisiko des Welthandels ruft WTO zu erhöhter Wachsamkeit auf

Fragmentierungsrisiko des Welthandels ruft WTO zu erhöhter Wachsamkeit auf

Die globale Handelsordnung steht vor einer potenziellen Zerreißprobe, warnt Ralph Ossa, Chefökonom der Welthandelsorganisation (WTO), im Lichte der bevorstehenden 13. Ministerkonferenz der Organisation in Abu Dhabi. In einem Gespräch mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) identifizierte Ossa eine wachsende Trennung im internationalen Handel, die eine Verlangsamung des Warenaustauschs zwischen unterschiedlichen geopolitischen Blöcken zur Folge hat – eine Entwicklung, welche die Effizienz des Welthandels bedroht.

Die von der WTO durchgeführte Analyse, auf Basis der Abstimmungsmuster in der Vereinten Nationen, illustriert eine merkliche Verlangsamung des Handels zwischen diesen imaginären Blöcken seit der Ukraine-Krise. Ein Ergebnis, das von der jahrelangen parallelen Entwicklung abweicht und einen Einblick in die veränderten geopolitischen Landschaften gewährt.

Eine hypothetische Aufteilung der Weltwirtschaft in zwei solcher Blöcke könnte laut Ossa, der aus Deutschland stammt, einen Rückgang des globalen Wirtschaftswachstums um durchschnittlich 5 Prozent zur Folge haben. Eine solche Konstellation würde insbesondere die Entwicklungsregionen schwer treffen.

Trotz dieses düsteren Szenarios zeichnet Ossa ein Bild einer anpassungsfähigen Weltwirtschaft, welche bisherige Herausforderungen wie die COVID-19-Pandemie, gewaltsame Konflikte, Rekordinflation und geldpolitische Verknappungen mit einer gewissen Resilienz bewältigt hat. Dennoch mahnt er zur Vorsicht und verweist auf erkennbare Spaltungstendenzen, die sich beispielsweise in den Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China abzeichnen.

Konträr zu einer vollständigen Deglobalisierung, die nach Ossas Einschätzung noch nicht stattfindet, beobachtet die WTO Verschiebungen im Handelsfluss. Produkte aus China erreichen vermehrt auf Umwegen über Länder wie Vietnam und Mexiko den amerikanischen Markt, was auf eine strategische Diversifizierung in den Lieferketten schließt und die Notwendigkeit eines multilateralen Handelssystems unterstreicht.

Abschließend lässt sich festhalten, dass der Welthandel einerseits neue geopolitische Hürden navigiert, andererseits aber durch die Robustheit und Anpassungsfähigkeit seiner Akteure gekennzeichnet ist.