12. September, 2026

Wirtschaft

EZB könnte Zinsen bereits im Oktober erneut erhöhen

Nur einen Tag nach der zweiten Zinserhöhung des Jahres kursieren bereits Spekulationen über einen weiteren Schritt im Oktober. Der Ölpreisschock durch den Iran-Krieg treibt die Inflation über die Marke von drei Prozent.

EZB könnte Zinsen bereits im Oktober erneut erhöhen
Der Ölpreisschock durch den Iran-Krieg treibt die Inflation auf 3,3 Prozent, die EZB reagiert mit steigenden Zinsen.

Bloomberg berichtet über mögliche Zinserhöhung schon im Oktober

Die Europäische Zentralbank könnte ihren Leitzins schon im Oktober erneut erhöhen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtet, wollen die EZB-Ratsmitglieder ihre Entscheidungen zwar weiterhin von den hereinkommenden Daten abhängig machen, doch könnte angesichts einer Inflation von über 3 Prozent nach ihrer Aussage eine straffere Geldpolitik nötig werden. ESTR-Futures preisen bis Juni 2027 drei weitere Zinserhöhungen sicher ein, die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes bereits im Oktober wird hier allerdings nur mit 66 Prozent beziffert. Die informierten Personen sagten zudem, drei Zinserhöhungen bis Mitte nächsten Jahres könnten zu viel sein, ein nächster Zinsschritt im Dezember könnte bereits ausreichend sein, ein Hinweis auf unterschiedliche Tempovorstellungen innerhalb des Rats.

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Erst am Donnerstag hatte die EZB ihren zweiten Zinsschritt des Jahres beschlossen

Die Spekulationen kommen nur einen Tag, nachdem die EZB tatsächlich bereits gehandelt hatte. Bei einer außerplanmäßig in Berlin statt in Frankfurt abgehaltenen Sitzung hob der EZB-Rat am Donnerstag den Einlagensatz um einen Viertelprozentpunkt auf 2,50 Prozent an, den höchsten Stand seit rund anderthalb Jahren. Höher hatte das Zinsniveau zuletzt im Februar 2025 gelegen, damals bei 2,75 Prozent. Es war bereits die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr, nachdem die EZB im Juni nach sieben aufeinanderfolgenden Zinspausen erstmals wieder angehoben hatte, im Juli hatte die Notenbank dann zunächst pausiert.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde bezeichnete den Inflationsausblick als aufwärtsgerichtet und ließ eine weitere Zinserhöhung noch in diesem Jahr ausdrücklich offen. Bereits vor der Sitzung hatten sowohl Mitglieder des sechsköpfigen EZB-Direktoriums als auch mehrere Chefs nationaler Notenbanken die Erhöhung teilweise ungewöhnlich klar angedeutet. Eine weitere Straffung wird erforderlich sein, hatte etwa die deutsche EZB-Direktorin Isabel Schnabel Ende August erklärt und ergänzt, beim gegenwärtigen Leitzins sei es unwahrscheinlich, dass die Inflation mittelfristig auf das EZB-Ziel von 2 Prozent zurückkehre.

Der Ölschock durch den Iran-Krieg treibt die Inflation über die Zielmarke

Auslöser der aktuellen geldpolitischen Straffung ist in erster Linie der Ölpreisschock infolge des Kriegs zwischen den USA und dem Iran. Im August kletterte die Inflation im Euroraum auf 3,3 Prozent, nachdem sie im Juli noch bei 2,9 Prozent gelegen hatte, deutlich über dem EZB-Zielwert von 2 Prozent. Vor allem der Energiemarkt treibt die Teuerung nach oben, für Haushalte zeigt sich das konkret an gestiegenen Heizölpreisen und an den Zapfsäulen der Tankstellen. Der Ölpreis war zuletzt wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel gesprungen.

Im Basisszenario der aktuellen Projektionen der Eurosystem-Fachleute wird die durchschnittliche Gesamtinflation 2026 bei 3,0 Prozent erwartet, 2027 bei 2,3 Prozent und 2028 bei 2,0 Prozent, die Prognosen für 2027 und 2028 wurden dabei leicht nach oben korrigiert. Bei der Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel rechnen die Experten mit durchschnittlich 2,5 Prozent für 2026 und 2027 sowie 2,2 Prozent für 2028.

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Innerhalb des EZB-Rats gibt es offenbar unterschiedliche Tempovorstellungen

Der EZB-Rat legt sich nach eigenen Angaben nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest, sondern verfolgt weiterhin einen datengestützten Ansatz und entscheidet von Sitzung zu Sitzung. Genau diese Formulierung lässt nun offenbar Raum für eine interne Debatte über das richtige Tempo, während die einen Ratsmitglieder laut Bloomberg bereits für Oktober auf eine erneute Anhebung drängen, halten andere ein Vorgehen bis Dezember für ausreichend, um nicht über das Ziel hinauszuschießen. An den Terminmärkten stellt man sich derzeit vor allem auf eine weitere Zinserhöhung im Dezember ein.

Auch beim Wachstum zeigt sich die Notenbank optimistischer als noch vor drei Monaten

Trotz des Ölpreisschocks zeigte sich die EZB beim Wirtschaftswachstum zuletzt sogar etwas zuversichtlicher als noch vor drei Monaten. Für 2026 veranschlagen die europäischen Währungshüter nun ein Plus von 0,9 Prozent, nach zuvor 0,8 Prozent, auch die Erwartungen für 2027 wurden leicht auf 1,4 Prozent Wachstum angehoben. Die Wirtschaft im Währungsraum war im zweiten Quartal 2026 trotz des Ölpreisschocks um 0,6 Prozent zum Vorquartal gewachsen, auch Deutschland als größte Volkswirtschaft der Eurozone entwickelte sich mit drei Wachstumsquartalen in Folge besser als erwartet.

Lagardes eigene Zukunft bleibt eine weitere offene Frage

Neben der Zinsdebatte sorgt eine weitere Frage für Gesprächsstoff, ob Lagarde bis zum Auslaufen ihrer Amtszeit im Oktober 2027 EZB-Chefin bleibt. Seit längerer Zeit halten sich Spekulationen, sie könnte ihren Posten bereits vor den Präsidentschaftswahlen in Frankreich im April 2027 räumen. Auf die Frage danach wich Lagarde bei der Pressekonferenz aus, wenn es etwas Persönliches über sie zu berichten gebe, erfahre man das als Erstes, nach ihren Enkelkindern, und es gebe nichts zu berichten, fügte sie hinzu.

Für Anleger und Sparer bleibt am Ende die entscheidende Frage, ob sich der EZB-Rat bei seiner nächsten Sitzung tatsächlich für ein rascheres Tempo entscheidet, oder ob die Vorsicht jener Ratsmitglieder überwiegt, die vor einer Überstraffung angesichts der bereits spürbaren wirtschaftlichen Erholung warnen.

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