27. August, 2026

Wirtschaft

EZB-Entscheidung im Fokus: Wird der Leitzins stillstehen?

EZB-Entscheidung im Fokus: Wird der Leitzins stillstehen?

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird voraussichtlich an diesem Donnerstag keine Änderungen am Leitzins vornehmen. Nach der jüngsten Zinssenkung im vergangenen Monat, der ersten seit Beginn der Inflationswelle, halten sich die Vertreter der Notenbank derzeit bedeckt über zukünftige Maßnahmen. Daher warten Anleger gespannt auf die Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde zur wirtschaftlichen Lage und zur Inflation.

Im Juni senkte die EZB den entscheidenden Einlagesatz für die Geldpolitik um 0,25 Punkte auf 3,75 Prozent. Experten gehen jedoch davon aus, dass es bei dieser einmaligen Senkung bleibt. Laut Commerzbank-Experte Marco Wagner stimmten einige Ratsmitglieder dem Juni-Zinsschritt nur zu, weil die EZB sich zuvor bereits darauf festgelegt hatte.

Obwohl sich die Inflationsrate in der Eurozone im Juni auf 2,5 Prozent abgeschwächt hat, bleibt die Kerninflation, die schwankende Preise für Energie und Lebensmittel ausklammert, mit 2,9 Prozent auf hohem Niveau. Dazu kommen die Lohndaten der EZB, die einen weiteren kräftigen Lohnanstieg signalisieren. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.

Die schwächelnde Konjunktur in der Eurozone könnte eine zukünftige Leitzinssenkung begünstigen. Jüngste Frühindikatoren und Wirtschaftsdaten enttäuschten die Erwartungen. "Die Hoffnungen auf einen Aufschwung in der Eurozone waren groß. Doch die Wirtschaft ist ins Schleudern geraten", bemerkt Kevin Thozet vom Vermögensverwalter Carmignac.

An den Finanzmärkten erwartet man mehrheitlich eine Zinssenkung im September. Bis dahin werden noch zwei weitere Monate lang Inflationsdaten veröffentlicht. Felix Schmidt, Chefvolkswirt der Berenberg Bank, vermutet, dass Christine Lagarde keine definitive Aussage zur Zinspolitik nach der Sommerpause treffen wird. Er erwartet jedoch auch keine kategorische Absage: "Die EZB will mehr Daten sammeln und sich alle Optionen offenhalten."

Frankreich bleibt weiterhin ein schwieriges Thema für die EZB. Nach vorgezogenen Parlamentswahlen ist die Regierungsbildung noch ungewiss, und der Rechnungshof hat Bedenken wegen der wachsenden Verschuldung geäußert. "Die Situation Frankreichs steht in starkem Kontrast zu der seiner wichtigsten europäischen Partner", heißt es im Jahresbericht.

Die Dekabank erwartet, dass Lagarde auf die Verantwortung der Regierungen für die Stabilität der Staatsanleihemärkte hinweisen wird, jedoch ohne dass dies die Entscheidungen der EZB maßgeblich beeinflusst.