In Deutschland hat sich das Arbeitsvolumen der unselbstständig Beschäftigten im vergangenen Jahr erheblich gesteigert, erreicht jedoch keinen historischen Höhepunkt, wenn man die Arbeitsstunden Selbstständiger mit einbezieht. Nach Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt sich, dass die Gesamtarbeitszeit abhängig Beschäftigter bei 55 Milliarden Stunden liegt und somit höher ist als nach der Wiedervereinigung im Jahr 1991. Bei Hinzuziehung der Selbstständigen ergibt sich jedoch kein Rekord.
Dass mehr gearbeitet wird, ist vor allem auf die Berufstätigkeit von Frauen zurückzuführen. Der Studienautor Mattis Beckmannshagen hebt hervor, dass viele Frauen trotz der Bereitschaft zu mehr Arbeit in Teilzeitbeschäftigungen verbleiben. Dies lässt ungenutztes Potenzial für den Arbeitsmarkt erkennen, während Männer weiterhin Herausforderungen in der Balance zwischen Beruf und Familienaufgaben sehen.
Trotz des gestiegenen gesamten Arbeitsvolumens zeigt sich im Detail, dass pro Erwerbstätiger in Deutschland ein historisches Minimum an Jahresarbeitsstunden erreicht wurde – abgesehen von der Corona-Zeit. Beschäftigte leisteten durchschnittlich 1342 Stunden, was einem leichten Rückgang entspricht. Auch die Dauer der Krankschreibungen erreichte ein neues Hoch mit durchschnittlich 15,2 Tagen.
Die Erwerbstätigenquote ist leicht gestiegen, was auch die Teilzeitbeschäftigung betrifft. Dabei ist auffällig, dass die bezahlten Überstunden trotz Fachkräftemangels zurückgegangen sind, was seit 2016 ein Novum darstellt. Insgesamt sehen die Autoren der Studie in steuerfreien Überstunden keine Lösung, um das Arbeitsvolumen zu steigern, da dieses Vorgehen herkömmliche Rollenbilder verfestigen könnte.