Inmitten der hohen Lebenshaltungskosten scheint für die Konsumenten ein Silberstreif am Horizont aufzuleuchten: Nach den Daten des Statistischen Bundesamts mussten die Verbraucher im März überraschend weniger für Nahrungsmittel zahlen – erstmals seit sechs Jahren verzeichnete man einen Rückgang von 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Lebensmittelteuerung lag damit sogar unter der allgemeinen Inflationsrate.
In den vorangegangenen Jahren hatten die Preise für Lebensmittel eine konstante Aufwärtstendenz gezeigt, mit Inflationsraten von 12,4 Prozent in 2023 und 13,4 Prozent im Vorjahr. Doch nun scheint eine Wende eingeläutet. Doch wie tragfähig ist dieser Trend und dürfen Verbraucher auf dauerhaft niedrigere Supermarktpreise hoffen?
Sascha Möhrle vom Ifo-Institut bleibt skeptisch und sieht keine rasche Rückkehr zu den Preisen von 2020, als sich Lebensmittel seitdem um über 30 Prozent verteuerten. Er prognostiziert einen moderaten Anstieg von durchschnittlich 1,3 Prozent für 2024 und 2 Prozent für das Folgejahr. Ebenso wenig rechnet Volkswirtin Jasmin Gröschl von Allianz Trade mit Entspannung.
Trotz gemilderter Preisanstiege herrscht Einigkeit darüber, dass sowohl Energie- als auch Logistikkosten, und somit auch die Endpreise, nicht auf frühere Niveaus zurückfallen werden. Diesbezüglich weist Kai Hudetz vom IFH Kölner Handelsforschungsinstitut darauf hin, dass die Zeiten dramatischer Preissteigerungen zwar enden könnten, eine Umkehr jedoch nicht zu erwarten sei. GfK-Daten zeigen, dass Verbraucher ihr Einkaufsverhalten angepasst haben, sich vermehrt Eigenmarken zuwenden und häufiger Discounter bevorzugen, was sich in deren Umsatzzahlen abzeichnet.
Während Hudetz davon spricht, dass selbst geringe Preisunterschiede die Konsumenten zum Markenwechsel bewegen, gibt Sven Reuter von Smhaggle zu verstehen, dass trotz vereinzelter Preissenkungen, vor allem bei Eigenmarken, keine signifikante Entlastung zu spüren sei. Preisreduzierungen seien oft gering und bei Markenprodukten konterkariere teilweise sogar eine deutliche Preissteigerung die positiven Effekte.
Die Preisentwicklung ist indes uneinheitlich: Während etwa Öle und Gemüse günstiger wurden, stiegen die Preise für Süßwaren und Obst. Insbesondere der Preis für Olivenöl sprang um beeindruckende 54 Prozent an. Branchenführer wie Rewe melden für verschiedene Produkte sogar einen Preisrückgang im zweistelligen Prozentbereich, und auch Discounter wie Aldi und Lidl verkünden dauerhafte Preissenkungen bei bestimmten Artikeln.
Allerdings bleiben Handelsunternehmen bei ihren Prognosen vorsichtig und betonen die Unsicherheiten, insbesondere mit Blick auf klimatische Entwicklungen. Gröschl erwartet aufgrund des Klimawandels sogar Preissteigerungen bei klimasensiblen Produkten. Michael Berger vom WWF warnt, dass das Risiko von Ernteausfällen infolge von Extremwetter zunimmt, was die Kalkulation für Händler erschwere. Laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung könnten überdurchschnittliche Temperaturen bis 2035 die Lebensmittelinflation deutlich anheizen.