Im Zuge der entscheidenden Stichwahl um das Präsidentenamt in der Republik Moldau hat der nationale Sicherheitsberater der prowestlichen Präsidentin Maia Sandu, Stanislav Secrieru, Russland der erheblichen Einmischung beschuldigt. Nach seinen Darstellungen könnte diese Einflussnahme das Wahlergebnis auf gefährliche Weise verzerren. Besonders besorgniserregend sei die Situation in der abtrünnigen Region Transnistrien, in der russische Truppen stationiert sind, da es dort koordinierte Wählertransporte zur Abstimmung geben soll, was als illegal betrachtet wird.
Die besagten Vorwürfe gewinnen auch deshalb an Brisanz, weil Secrieru, ein enger Vertrauter von Amtsinhaberin Sandu, auf die mutmaßliche Organisation von Bus- und Charterflugreisen hinwies, die Wähler aus Russland nach Baku, Istanbul und Minsk bringen sollen. Diese Aktionen könnten als Bemühung interpretiert werden, das Wahlergebnis zugunsten von Sandus Konkurrenten Alexandr Stoianoglo zu beeinflussen, der für die Sozialisten-Partei des moskaufreundlichen Ex-Präsidenten Igor Dodon ins Rennen geht.
Ein weiteres Spannungsmoment bietet ein in sozialen Medien verbreitetes Video, das offensichtlich Moldauer mit ihren Reisepässen auf dem Weg nach Minsk zeigt. Die eingeschränkte Anzahl geöffneter Wahllokale in Moskau, nur zwei an der Zahl, verstärkt die Besorgnis. Die Wahl, die für die von wirtschaftlichen Herausforderungen geplagte Nation von entscheidender Bedeutung ist und die EU-Beitrittskandidatin Sandu gegen Stoianoglo ins Rennen schickt, verspricht bis zuletzt ungewiss zu bleiben.