In einem aktuellen Verfahren hebt die Federal Trade Commission (FTC) schwere Vorwürfe gegen führende Köpfe des Online-Riesen Amazon hervor. Demnach sollen hochrangige Führungskräfte wie Gründer Jeff Bezos und der aktuelle CEO Andy Jassy mutmaßlich Geschäftskommunikation über den verschlüsselten Nachrichtendienst Signal geführt und dabei eine Einstellung verwendet haben, die keine dauerhafte Speicherung der Nachrichten vorsieht. Diese Praxis könnte dazu geführt haben, dass wichtige Beweismittel im Rahmen des wettbewerbsrechtlichen Verfahrens gegen das Unternehmen nicht mehr zugänglich sind.
Der Zeitraum, den die Untersuchungen der Handelsbehörde abdecken, erstreckt sich von April 2019 bis Mai 2022. Es ist bekannt, dass nicht nur Bezos und Jassy an solchen verschleierten Konversationen teilgenommen haben. Auch David Zapolsky, Amazons oberster Rechtsberater, Jeff Wilke, bis 2021 als Handelsfürst bei Amazon tätig, sowie Dave Clark, ein langjähriger Logistik-Exekutiv, der das Unternehmen im gleichen Jahr verließ, in dem Bezos das CEO-Zepter an Jassy übergab, sollen sich über Signal ausgetauscht haben. Die FTC legte diese Informationen in einer Gerichtseinreichung vor.
Die Brisanz dieser Enthüllungen liegt nicht zuletzt in der Bedeutung der Beweise für das wettbewerbsrechtliche Verfahren, das die Marktpraktiken von Amazon unter die Lupe nimmt. Sollte sich bestätigen, dass bewusst Beweismaterial vernichtet wurde, könnte dies nicht nur das Verfahren beeinflussen, sondern auch die Frage nach der Verantwortung der Unternehmensführung in einem neuen Licht erscheinen lassen.