Die deutsche Wirtschaft scheint allmählich die Rezession hinter sich zu lassen. Wirtschaftsforschungsinstitute, die kürzlich ihre aktuellen Prognosen veröffentlichten, zeigen sich etwas optimistischer als im Frühjahr. Moritz Schularick, Präsident des IfW Kiel, sieht 'Licht am Ende des Konjunkturtunnels' und glaubt, dass sich die deutsche Wirtschaft aus der Rezession befreien könne. Europas größte Volkswirtschaft war im vergangenen Jahr mit einem Minus von 0,2 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt in die Rezession gerutscht. Experten trauen der deutschen Wirtschaft für dieses Jahr jedoch keine großen Sprünge zu.
Die deutsche Konjunktur könnte vor allem durch wieder anziehende Exporte und eine Erholung des privaten Konsums gestützt werden. Höhere Löhne und gesunkene Inflationsraten könnten die Konsumfreude der Menschen anheizen. Das IfW Kiel rechnet in diesem Jahr mit einem bescheidenen Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent, leicht angehoben von vormals 0,1 Prozent. Eine hohe konjunkturelle Dynamik sei jedoch nicht zu erwarten. Für 2025 wird ein Wachstum von 1,1 Prozent prognostiziert, leicht gesenkt von zuvor 1,2 Prozent. Die Inflationsrate dürfte sich nach 5,9 Prozent im letzten Jahr bei etwa 2 Prozent einpendeln. Der Arbeitsmarkt bleibt weitgehend stabil.
Etwas optimistischer zeigt sich das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung aus Essen. Es hob seine Wachstumsprognose für 2024 von 0,3 auf 0,4 Prozent an. Den kommenden Quartalen wird eine leichte konjunkturelle Erholung zugetraut, auch wenn Unsicherheiten bezüglich der Entwicklungen der Energiepreise und der Wirtschaftspolitik bestehen bleiben. Für das nächste Jahr erwartet das Institut ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent.
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht Risiken für die exportorientierte deutsche Wirtschaft vor allem in einem möglichen Zollstreit. Die EU-Kommission hatte vorläufige Strafzölle auf E-Autos aus China angedroht, woraufhin Peking mit eigenen Zollerhöhungen reagieren könnte. Besonders betroffen wären Unternehmen der Automobilbranche, die Fahrzeuge in China für den europäischen Markt produzieren. Unter solchen Bedingungen könnten die Chancen für eine Ausweitung der deutschen Exporte geringer sein. Das IWH rechnet für dieses Jahr mit einem Bruttoinlandsprodukt-Wachstum von 0,3 Prozent und auch für das nächste Jahr unverändert mit einem Plus von 1,5 Prozent.