Verkehrsminister Volker Wissing zeigt sich enttäuscht über die Leistung der Deutschen Bahn während der Fußball-Europameisterschaft. Der Minister erklärte in einem Gespräch mit der 'Welt am Sonntag', dass die zusätzlichen 10.000 Sitzplätze pro Tag eine Überbeanspruchung des aktuellen Netzwerks darstellten. Trotz guter Absichten konnte das bestehende Eisenbahnnetz diese zusätzlichen Kapazitäten nicht bewältigen.
Auch ungünstige Witterungsbedingungen trugen zur Verschlechterung der Situation bei. Wissing betonte, dass das Schienennetz nicht für die extremen Regenfälle ausgelegt sei, die die Drainagesysteme überfordert hätten.
Berthold Huber, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn, verteidigte die Maßnahmen des Unternehmens. Alle unnötigen Baustellen seien verschoben worden, um die Infrastruktur so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Jedoch habe ein Hochwasser zwischen Würzburg und Nürnberg einen Damm beschädigt, was die Situation zusätzlich verschärfte.
Zur langfristigen Verbesserung des Schienennetzes beginnt am Montag die Sanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Diese Maßnahme ist Teil eines umfangreichen Projekts, bei dem bis zu 41 stark frequentierte Korridore modernisiert werden sollen. Wissing verspricht, dass Fahrgäste nach der Sanierung erhebliche Verbesserungen im Schienenverkehr erleben werden.
Gleichwohl äußerte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, Zweifel an der Umsetzbarkeit des Sanierungsplans bis 2031. Er kritisiert, dass die Unternehmen keine realistische Kapazitätsplanung vornehmen könnten, da Politik und Deutsche Bahn noch keine Einigung erzielt haben. Müller hält es für unwahrscheinlich, dass alle geplanten Projekte bis zum angegebenen Jahr abgeschlossen werden können und fordert eine zeitliche Streckung des Vorhabens.