Nach Monaten der Unsicherheit nimmt die mögliche Übernahme des Kunststoffkonzerns Covestro durch den staatlichen Ölkonzern Adnoc aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nun konkrete Formen an. Bisher hatte der Dax-Konzern nur auf ergebnisoffene Gespräche hingewiesen, doch jetzt wird aktiv über ein mögliches Gebot von rund 11,7 Milliarden Euro gesprochen, was etwa 62 Euro je Aktie entspricht. Adnoc wird hierfür ein tiefer Einblick in die Bücher von Covestro gewährt, bevor beide Parteien sich auf eine Investitionsvereinbarung einigen müssen.
An der Börse herrscht jedoch Skepsis, ob ein Deal tatsächlich zustande kommt – insbesondere da Adnoc betonte, dass 62 Euro je Aktie ein finales Angebot darstellen. Dennoch stieg die Covestro-Aktie gegen Mittag um 6,7 Prozent auf 54,66 Euro und führte damit den deutschen Leitindex Dax an. Bis zur möglichen Offerte von 62 Euro bleibt jedoch noch ein erheblicher Spielraum.
„Wir haben in unseren Gesprächen mit Adnoc gute Fortschritte erzielt“, betonte Covestro-Chef Markus Steilemann laut einer Mitteilung vom Montag. „Daher haben wir beschlossen, in konkrete Transaktionsverhandlungen mit Adnoc einzutreten.“ Trotz dieser Fortschritte gibt es nach wie vor Verhandlungsbedarf. Covestro berichtete, dass ein gemeinsames Grundverständnis über wesentliche Kernthemen, einschließlich der Unterstützung der weiteren Wachstumsstrategie, grundsätzlich möglich sei.
Analyst Chris Counihan vom Investmenthaus Jefferies äußerte die Einschätzung, dass viele Kernthemen angesichts der langen Zeit der Verhandlungen bereits weitgehend geklärt sein dürften. Die Spekulationen über einen möglichen Deal waren erstmals vor rund einem Jahr aufgekommen. Erst im September hatte Covestro offiziell bekanntgegeben, mit Adnoc zu sprechen. Nach mehreren angeblichen Erhöhungen des Angebots stand seit einiger Zeit eine informelle Offerte von etwas mehr als 60 Euro je Aktie im Raum.
Angesichts der jüngsten Entwicklungen verschob Covestro den für diesen Donnerstag geplanten Kapitalmarkttag bis auf Weiteres.