Der Luftfahrtgigant Boeing hat zwei bedeutende Maßnahmen ergriffen, um seine finanzielle Situation in schwierigen Zeiten zu stabilisieren. Einerseits vereinbarte das Unternehmen einen Nachtragskredit über 10 Milliarden Dollar mit einem Bankenkonsortium unter Führung von Bank of America Securities, Citibank, Goldman Sachs und JPMorgan. Andererseits meldete Boeing eine gemischte Shelf-Registrierung bei der SEC zur Ausgabe neuer Schuldtitel, Stammaktien und Vorzugsaktien im Umfang von bis zu 25 Milliarden Dollar an.
Bereits zuvor berichtete das Wall Street Journal, dass Boeing eine Aktienemission im Wert von 10 Milliarden Dollar anstrebe. Mit Stand Ende September hatte Boeing liquide Mittel und Wertpapiere im Umfang von 10,3 Milliarden Dollar.
Die jüngsten Finanzstrategien und Aktien-/Schuldtitel-Angebote kommen in einer Zeit, in der Boeing mit einem schwerwiegenden Arbeitskonflikt zu kämpfen hat und die Produktion von Verkehrsflugzeugen wieder hochgefahren werden soll, nachdem es zu einem Zwischenfall mit einer Alaska Airlines 737 Max und Bedenken bezüglich der Qualität beim Bau des 787 Dreamliner kam.
Am vergangenen Freitag veröffentlichte Boeing vorläufige Zahlen zum dritten Quartal, die ein düsteres Bild zeichnen. Das Unternehmen rechnet mit einem GAAP-Verlust je Aktie von 9,97 Dollar und einem operativen Cashflow von -1,3 Milliarden Dollar. Die Produktion des 767-Tankerflugzeugs soll eingestellt und die Einführung des neuen 777X-Großraumflugzeugs verschoben werden.
Boeing rechnet mit Belastungen vor Steuern in Höhe von 5 Milliarden Dollar: 3 Milliarden Dollar aus der Verkehrsflugzeugsparte und 2 Milliarden Dollar aus dem Verteidigungsgeschäft. Zudem plant der neue CEO Kelly Ortberg, 10% der Belegschaft zu entlassen, etwa 17.000 Mitarbeiter, um die finanzielle Lage zu verbessern.
In einer internen Mitteilung betonte Ortberg, wie herausfordernd die aktuelle Lage sei: "Unsere Geschäftssituation ist schwierig, und es ist schwer, die Herausforderungen, vor denen wir stehen, zu übertreiben. Um unser Unternehmen wieder flott zu machen, müssen wir weitreichende Entscheidungen treffen und strukturelle Veränderungen vornehmen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und unsere Kunden langfristig zufrieden zu stellen."
Die Kündigungen stehen im Zusammenhang mit einem Arbeitskonflikt mit der International Association of Machinists (IAM), der nun in den zweiten Monat geht. Die beiden Parteien verhandeln derzeit mit einem Schlichter, doch eine Einigung ist bis dato nicht in Sicht. Boeing zog zuletzt ein Angebot zurück, nachdem die IAM nicht abgestimmt hatte. Der Streik hat sowohl für Boeing als auch die Arbeitnehmer erhebliche Kosten verursacht, die sich laut einer Handelsgruppe auf mittlerweile beinahe 5 Milliarden Dollar belaufen.
Boeing wird am 23. Oktober mehr Informationen zu den Streikkosten und den Folgen für das Geschäft bekannt geben, wenn die vollständigen Ergebnisse des dritten Quartals veröffentlicht werden.