Eine aktuelle Studie der Zeppelin-Universität Friedrichshafen zeigt eine leichte Zunahme des Frauenanteils in den Spitzenpositionen kommunaler Unternehmen in deutschen Großstädten. Im April betrug der Anteil weiblicher Führungskräfte 22,1 Prozent und lag damit um 0,6 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Obwohl dieser Anstieg begrüßenswert ist, bleibt der Anteil weit hinter den politischen Zielen der Parität und den Durchschnittswerten börsennotierter Unternehmen zurück, so Studienleiter Ulf Papenfuß. Kommunale Unternehmen umfassen verschiedenste Einrichtungen, darunter Pflegeheime, Krankenhäuser und Stadtwerke. Der Vergleich mit DAX-40-Unternehmen verdeutlicht die Unterschiede: Diese verzeichneten einen Frauenanteil von 23,2 Prozent, vor allem dank strenger gesetzlicher Vorgaben. Diese Differenz könnte insbesondere auf die fehlenden regulatorischen Rahmenbedingungen in vielen kommunalen Unternehmen zurückzuführen sein. Während börsennotierte Firmen gesetzlich verpflichtet sind, bei Neubesetzungen in der Führungsetage mindestens eine Frau zu berufen, gelten für Bundesunternehmen noch rigorosere Vorschriften. Papenfuß empfiehlt, die Richtlinien zur Unternehmensführung (Public Corporate Governance Kodizes) für kommunale Unternehmen entsprechend anzupassen, um den Frauenanteil weiter zu erhöhen. Die Studie untersuchte insgesamt 1.420 kommunale Unternehmen in 69 Großstädten, darunter die vier größten Städte jedes Bundeslandes. Im Untersuchungszeitraum wurden 244 Top-Positionen neu besetzt, wobei der Anteil weiblicher Neubesetzungen 27,9 Prozent betrug – ein Anstieg von 6,0 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr, aber weiterhin auf niedrigem Niveau. Erfreuliche Entwicklungen zeigen sich in einigen Städten besonders deutlich. Hannover führt das Ranking an, gefolgt von Weimar und Jena. Hingegen blieben Städte wie Ingolstadt und Osnabrück sowie einige Städte im Saarland, darunter Neunkirchen und Völklingen, ohne weibliche Führungskräfte. Unterschiede in der Unternehmenslandschaft und die Methodik der Studie erklären laut Papenfuß diese Diskrepanzen, dennoch weisen auch kleinere Städte wie Weimar bemerkenswerte Fortschritte auf.
Wirtschaft
Aufwärtstrend bei weiblichen Führungskräften in deutschen Städten - aber noch immer Nachholbedarf