02. Juli, 2026

Wirtschaft

Allianz Trade prognostiziert deutlichen Anstieg der Insolvenzen in Deutschland

Allianz Trade prognostiziert deutlichen Anstieg der Insolvenzen in Deutschland

Der weltweit führende Kreditversicherer Allianz Trade erwartet auch in diesem Jahr einen markanten Anstieg der Insolvenzen in Deutschland. Trotz anhaltender Konjunkturschwäche schätzt das Unternehmen, dass die Zahl der Unternehmenspleiten um 21 Prozent auf etwa 21.500 Fälle ansteigen wird. Im Vorjahr hatte es bereits einen Anstieg um 22 Prozent gegeben. Die aktuellen Prognosen deuten darauf hin, dass die Fallzahlen bis Jahresende rund 15 Prozent über dem Niveau des vorpandemischen Jahres 2019 liegen könnten. Erst im Jahr 2025 rechnet Allianz Trade mit einer moderaten Erhöhung um etwa zwei Prozent auf rund 22.000 Fälle.

Besonders besorgniserregend ist die hohe Zahl an Großinsolvenzen von Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 50 Millionen Euro. Allein im ersten Halbjahr wurden 40 solcher Pleiten registriert, was nicht nur der höchste Wert seit 2015 ist, sondern auch einem Anstieg um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. "Aktuell gilt häufig: Wenn es kracht, dann richtig," kommentiert Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Großinsolvenzen hätten oft einen Dominoeffekt auf zahlreiche Unternehmen der Lieferkette und könnten diese ebenfalls in finanzielle Schwierigkeiten stürzen.

Der kumulierte Umsatz dieser insolventen Großunternehmen betrug in den ersten sechs Monaten beeindruckende 11,6 Milliarden Euro und übertraf bereits zur Jahresmitte den Gesamtschaden des Jahres 2023. Der durchschnittliche Umsatz der insolventen Großunternehmen lag bei 290 Millionen Euro, was einem Anstieg von 85 Prozent entspricht und massive Schäden für betroffene Lieferanten bedeutet.

Besonders betroffen von den Insolvenzen sind das Baugewerbe und der Einzelhandel. Viele Unternehmen konnten die Rückzahlungen der während Corona aufgenommenen Kredite nicht leisten oder scheiterten an den gestiegenen Anforderungen für neue Kredite. Andere waren stark von einem einzigen Großkunden abhängig.

Im Mode-Einzelhandel kämpfen seit Jahren zahlreiche Unternehmen ums Überleben, und die aktuelle Kaufzurückhaltung der Verbraucher verschärft die Situation zusätzlich. Hohe Container-Frachtraten bereiten den Unternehmen angesichts des bevorstehenden Weihnachtsgeschäfts zusätzliche Sorgen. Auch im Dienstleistungssektor gibt es Schwierigkeiten: Zu den sieben größten Insolvenzen in diesem Bereich in diesem Jahr zählen drei Kliniken, zwei Tourismus-Unternehmen sowie zwei Firmen aus dem Segment Software- und IT-Dienstleistungen.