29. August, 2026

Wirtschaft

Alleinerziehende Familien bleiben im Armutsstrudel – Kindergrundsicherung als Tropfen auf den heißen Stein?

Alleinerziehende Familien bleiben im Armutsstrudel – Kindergrundsicherung als Tropfen auf den heißen Stein?

Neue Studienergebnisse der Bertelsmann Stiftung zeichnen ein düsteres Bild für alleinerziehende Familien in Deutschland. Über 41 Prozent der rund 1,7 Millionen Ein-Eltern-Familien mit minderjährigen Kindern lebten im vergangenen Jahr in Einkommensarmut. Zum Vergleich: In Paar-Familien sind es deutlich weniger, nämlich 8 Prozent bei einem Kind und 30 Prozent bei drei oder mehr Kindern.

Die geplante Kindergrundsicherung scheint keine effektive Lösung zu sein, wie Familienexpertin Anette Stein kritisiert. Sie hebt hervor, dass der aktuelle Gesetzentwurf nur in wenigen Fällen Verbesserungen bringen könnte, während einige Alleinerziehende sogar Nachteile erfahren könnten. Zustände wie kein Familienurlaub, ständiger Konsumverzicht und mangelnde kulturelle Teilhabe prägen den Alltag vieler alleinerziehender Eltern und ihrer Kinder.

Mit erschreckender Präzision zeigt die Analyse, dass 82 Prozent der Ein-Eltern-Familien von alleinerziehenden Müttern geführt werden. Obwohl die meisten Alleinerziehenden erwerbstätig sind – 71 Prozent der alleinerziehenden Mütter und 87 Prozent der alleinerziehenden Väter –, reicht das Einkommen oft nicht aus. Ausfallende Unterhaltszahlungen und unzureichende staatliche Unterstützungsreformen verschärfen die finanzielle Notlage zusätzlich.

Der Anteil alleinerziehender Familien unter den insgesamt 8,5 Millionen Familien in Deutschland liegt bei etwa 20 Prozent, wobei regionale Unterschiede auftreten. Berlin führt mit einem Anteil von 27,5 Prozent, während Bayern mit 16,5 Prozent das Schlusslicht bildet. Besonders hart trifft es alleinerziehende Mütter, von denen fast die Hälfte auf Bürgergeld angewiesen ist.

Trotz dieser alarmierenden Zahlen befindet sich der Gesetzentwurf zur Kindergrundsicherung weiterhin in der parlamentarischen Warteschleife. Mit geschätzten Mehrkosten von bis zu 6 Milliarden Euro ab 2028 ist unklar, ob die angestrebte Einführung Anfang 2025 realistisch ist.

Die Bertelsmann Stiftung fordert nicht nur eine Neubewertung der Regelbedarfe, die auch Kinder und Jugendliche einschließt, sondern auch eine zentrale Anlaufstelle für alle Berechtigten. Familienservicestellen könnten hier eine Lösung bieten, allerdings ist deren Funktionalität bis 2025 fraglich. Anette Stein betont, dass nur durch strukturelle Veränderungen und realitätsnahe Bedarfsberechnungen das Armutsproblem bei Alleinerziehenden angegangen werden kann.